Donnerstag, Juli 14, 2005

Der Brunnen des Planeten

So, jetzt hat es doch etwas länger gedauert mit der Meldung. Vor inzwischen fast drei Wochen sind wir also mit unserem Kutter in der Bucht Ayaya angekommen. In der Sprache der Ewenken bedeutet der Name "sehr, sehr schön". Und es war wirklich fast wie im Paradies. Eine tiefe Bucht, links und rechts mit Taiga bewachsene und mit Felszinnen bewehrte Hügel. Wir wurden an einem langen einsamen Sandstrand ausgesetzt. Nachdem unser Schiff wieder außer Sicht war, fühlte ich mich wohl nicht viel anders als Captain Cook bei der Entdeckung Neuseelands. Wir schlugen unser Lager einen Steinwurf vom Strand auf, Feuerstelle und ein Tisch waren schon vorhanden. Und dann begannen zwei Wochen voller Sonne, frischer Luft und Mücken. Ja, wenn diese Plagegeister nicht wären, dann wäre ich jetzt richtig schön braun gebrannt. So waren wir aber über weite Strecken zu langer Kleidung und Moskitonetz verdammt. Wir bauten ein bisschen Steg durch den Sumpf, säuberten den Pfad, badeten im Baikal und futterten Omul, den hin und wieder ein Fischerboot vorbeibrachte, und liessen es uns richtig richtig gut gehen. Nach einer Woche holte uns ein Boot ab, mit dem wir zwei Buchten weiter nach Hakussy schipperten, wo es heisse Quellen und eine kleine Touristenbasis gibt. Ein Traum. In der zweiten Wochen kamen dann doch einige Touristen nach Ayaya, die fleißig unseren Pfad zum Frolichasee nutzten.
Unsere Heimfahrt mit dem Boot sollte eigentlich bloss zwei Stunden dauern, wir brauchten aber etwas länger als geplant, weil unser Kapitän unterwegs einen kleinen Waldbrand erspähte. Ein paar Touristen hatten wohl ihr Feuer nicht richtig gelöscht. Wir kamen gerade rechtzeitig, die ersten großen Bäume und eine kleine Sommerhütte begannen zu brennen. Aber hauptsächlich schwelte bloss der nach zwei Wochen strahlendem Wetter etwas trockene Boden auf ein paar Ar. Zu zwanzigst hatten wir das nach eine halben Stunde Wasser Schleppen und Unterholz Abholzen unter Kontrolle. Was man nicht so alles erlebt.
Die letzten Tage war ich noch auf einem anderen Camp des Great Baikal Trail, hier im Naherholungsgebiet von Sewerobaikalsk. Nach drei Wochen Sonne, Ruhe und heiligem Wasser bin ich jetzt sehr entspannt und bereit, irgendwann die nächsten Tage nach Irkutsk weiter zu ziehen.

2 Comments:

At 6:32 PM, Anonymous FLOW said...

Peter, way to go, bin mal gespannt ob mich das Leben je auf den Pfaden wandeln lässt, die mein little brother weit im Osten in die Prärie baut!
Hier in Bayreuth alles lahm, Jobsuche läuft zäh aber weiter. Ulle versagt bei der Tour, aber sonst alles bene!
Liebe Grüße, wir freuen uns schon, wenn Du den Weg wieder in die kapitalistische Heimat findest!
Dein FLOW

 
At 10:20 AM, Blogger Piotr said...

Flo, alles Gute bei der Jobsuche. Falls es nicht klappt, hier werden immer noch Bauarbeiter fuer den
Weg gebraucht. Bei mir in Irkutsk ist's momentan auch etwas zaeh, ich freu mich auf die Berge. Und dann auf die gesegnete Heimat, wo die Mehrheit einen Schweinsbraten essen und ein paar Bier dazu trinken kann. Oder mal wieder einen bruederlichen Schafkopf zocken ...

 

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