Freitag, Juni 24, 2005

Die Perle Sibiriens

Gestern mittag bin ich nach langer Zugfahrt endlich wieder am Baikal angekommen. Ahhhhh. Hier im Norden ist es sehr bergig, ein Traum. Die Stadt Sewerobaikalsk liegt direkt am See, wurde vor 30 Jahren für den Bau der BAM gegruendet. Wir sind dort in der Schule für Tourismus und Umweltschutz untergebracht. Heute haben wir schon die heissen Quellen in den Bergen genossen, die Ruhe und großartige Ausblicke.
Morgen geht's los: zuerst mit der Marschrutka ein bisschen nach Norden, und dann mit dem Schiff auf die andere Seeseite. Da gehört ein Weg gebaut zum acht Kilometer weiter liegenden Frolicha-See. Eigentlich tiefste Pampa, nur auf dem Wasserweg erreichbar, mit vielen Mücken und ein paar Bären. Aber es gibt trotzdem anscheinend einige Leute, die da rumgurken, weil sie zum Beispiel im Lonely Planet darueber gelesen haben. Jetzt sollen sie durch unser großartiges Werk in die richtige Bahn gelenkt werden, damit sie nicht planlos durch die Gegend ziehen. Ich freu mich aufs Zelteln, Lagerfeuer, und die Sterne. Und melde mich in zwei Wochen wieder (falls hier das Internet dann noch läuft ;-).

Sonntag, Juni 19, 2005

Das Erbe der Komsomolzen

Gerade sitze ich im Internetcafe neben dem Kazaner Bahnhof in Moskau. Vorgestern haben wir es im Wohnheim nochmal krachen lassen, gestern hab ich die Koffer gepackt. In einer Stunde geht mein Zug nach Sewerobaikalsk an der Nordspitze des Baikalsees. Dorthin fahre ich ein Stückchen mit der BAM, der legendären Baikal-Amur-Magistrale. Dieses vollkommen wahnwitzige Projekt war eines der Paradestücke der Sowjetregierung, eine Investition in die leuchtende Zukunft Sibiriens und des Weltkommunismus insgesamt. Enthusiastische Komsomolzen aus der ganzen (freien) Welt haben ihre Sommerferien mit knochenharter Arbeit in unwirtlichstem Territorium verbracht, um an diesem Traum mitzuarbeiten, und den sagenhaften aber unzugänglichen Reichtum des Sibirischen Hinterlandes in den Dienst der Weltrevolution zu stellen. Nach der Perestroika ist dieses großartige Projekt wegen mangelnder Rentabilität leider etwas in Misskredit greaten.
Eine vollkommen andere Angelegenheit ist der Great Baikal Trail. Seit zwei Jahren läuft die Arbeit an einem ökologischen Rundwanderweg um den Brunnen der Erde. So soll der Region mit dem sanften Tourismus eine Alternative zu Zellulosekombinaten und Kahlschlag gegeben warden. Enthusiasten aus der ganzen freien Welt, die jetzt hauptsächlich aus Deutschland und den USA besteht, opfern Ihre Sommerferien, um an diesem Traum mitzuarbeiten. Ich bin stolz, mich in ihre Reihen einzuordnen. Ich hoffe, dass so auch ein kleiner Teil des Glanzes unser idellen Vorgänger, der BAMschiks, auf mich abfällt. Infos unter www.baikalplan.de
Noch trennen mich aber vier Tage Zugfahrt vom Ziel meiner Reise. Gerade habe ich eine Dusche im Leningrader Bahnhof genommen – es gibt zwar vielleicht mehr Schimmel als bei McClean in München, aber die 1,30 Euro sind unschlagbar. Hier kann man wohl auch für 9 Euro die Nacht einen Schlafplatz bekommen, ein Geheimtip für alle Sparwilligen. Und ein schönes Relikt aus der Sowjetzeit, mit freundlicher Diensthabenden und Blümchentapete.