Montag, März 14, 2005

Verzeihung!

Gestern war масленица (masleniza), ein altes heidnisches Fest zur Winteraustreibung. Gleichzeitig der Sonntag der Vergebung. Wie gesagt, die Russen mögen Feiertage. Man begrüßt sich mit “прости”, "Verzeih mir", und löst damit alle Zwistigkeiten des letzten Jahres auf. Eine sehr schöne Sitte. Früher gehörte dazu noch eine vorhergehende großangelegte Schlägerei, bei der sich die Männer des Dorfes die Köpfe eindroschen. Danach ließ es sich um so besser verzeihen. Mir hat mal ein Mitbewohner verraten, die Deutschen sind so gestresst, weil sie sich nie prügeln. Sich mit einem Freund ordentlich kloppen, und danach die erneute Verbrüderung mit Wodka begießen - nichts ist besser, um für Ausgeglichenheit von Körper und Seele zu sorgen.
Gestern lief es etwas gesitteter ab ... im Hof des Wohnheims wurden lustige Spielchen veranstaltet, wie Tauziehen und Wer-schafft-die-meisten-Klimmzüge. Naja. Außerdem aßen wir traditionell große Mengen блины, diese leckeren Pfannkuchen. Danach wurde eine ausgestopfte Babuschka verbrannt, so wie bei uns an Johannis. Heute beginnt die große Fastenzeit bis Ostern, das hier erst Anfang Mai liegt.
Das Wochenende davor hab ich nochmal ausgenützt um nach Helsinki zu fahren, Sandra zum Schiff zu bringen und Markus zu besuchen. Ich war wieder begeistert von der Sauna im Wohnheim. Die Stadt ist sehr gemütlich und ruhig. Auch nicht übel: mit russischen Bussen kommt man für 17 Euro hin und zurück. Die finnischen Züge kosten 50 Euro einfach. Oh, wie komme ich daheim wieder mit den deutschen Preisen zurecht?