Montag, Februar 21, 2005

Jazz, Jazz, Jazz ...

Am Freitag durften wir Zeugen eines sagenhaften Konzertes werden. Daniil Kramer, russischer Jazzpianist im großen Saal der Philharmonie. Eineinhalb Stunden Improvisation unter dem Motto "Jazz trifft Klassik". Wir waren hin und weg. Lag auch an den genialen Plätzen, von denen wir von schräg unten auf die Tasten gucken konnten.
Das erste Stück liess den Ausgang des Experiments noch offen. Vom ersten Eindruck wirkte der Kollege etwas unsicher. Aber nachdem er etwas über seine Philosophie geplaudert hatte, ging es ab. Modern, aber melodisch. Nach einiger Zeit begann der Fuss zu wippen, um bald in schnellen Achteln die Bühne zu kloppen. Dann bewegte sich der Oberkörper dazu. Und als selbst die in atemberaubendem Ragtime-Tempo über die Tasten fliegenden Finger noch nicht genug waren, musste er die fehlenden Töne durch das kontrapunktierte "Dap-dadap-dap-dabadap-dap" seines Stimmorganes ergänzen. Dazu hin und wieder ein verschmitztes Lächeln, dessen sich selbst Helge nicht schämen bräuchte.
Vor Anfang eines Stückes ließ er seine Hände über den Tasten schweben. Man sah förmlich, wie er sich in Gedanken durch das Feuerwerk der Töne in seinem Innern bewegte, um den richtigen für uns auszusuchen. Und dann eine kleine göttliche Phrase in den Raum perlen zu lassen. Ein Mann mit Inspiration. Aber nicht abgehoben, sondern einfach begeistert von seiner Aufgabe, uns aufzuspielen. Und gemeinsam ein klein wenig den Vorhang zu lüpfen um etwas zu fassen vom Geheimnis des Jazz. Daniil Kramer!

Jazz
P.S.: Goli, alles Gute in Regensburg!
P.P.S.: Einen kleinen Bericht über Sibirien gibt's im Laufe der Woche ... dranbleiben ...