Montag, November 22, 2004

Väterchen Frost

Jetzt wird's endlich schön langsam auch in Russland kalt. Letzte Woche wars noch gut über Null, irgendwann hat dann die Talfahrt eingesetzt, und gestern hatten wir 10 Grad minus. Am Samstag war traumhafte Sonne, noch kein Schnee und die Pfützen waren fantastische Rutschbahnen. Am Sonntag wollten wir das schöne Wetter für einen kleinen Abstecher an den Strand nutzen, haben uns also für zehn Uhr morgens am finnischen Bahnhof verabredet. Der Blick gestern nach dem Aufstehen aus dem Fenster war dann etwas überraschend: Schneegestöber und pfeifender Wind. Naja, haben wir uns gedacht, sind wir jetzt in Russland oder nicht ... also raus. Am Bahnhof haben wir Judith getroffen, die dritte Freiwillige vom Zirkus, und Edgar, der mit mir im Russisch-Kurs ist. Dann mit der Elektritschka nach Repino. Warm eingepackt sind wir zum Strand runter. Der hartgefrorene Sand war sehr angenehm zum Laufen, und der darüberfegende Schnee hübsch anzusehen. Und auf der Ostsee sind die ersten Eisbatzen getrieben. Unser Plan, ein Feuer zu entfachen, wurde nach einigen Versuchen zwecks mangelnder Qualität des Brennholzes aufgegeben.
Ein paar hundert Meter vom Strand hat sich ein russischer Maler namens Ilja Repin vor hundertfünfzig Jahren ein sehr gemütliches Holzhaus bauen lassen, um die Ruhe zu genießen. Da ist jetzt ein Museum drin. Nach ein paar Stunden am Strand und in einem Cafe sind wir dort angekommen, und von altsowjetischen Bildungsbeamtinnen rumgeführt worden. Aus dem ersten Stock haben wir dann durch die Bäume auf einmal gesehen, dass über dem Meer der Himmel knallrot wurde: die Sonne kam doch noch raus! Also schnell über die Dünen runter zum Meer, und Ahhhh! Andächtig ließen wir unseren Blick über die unglaubliche Weite des Finnischen Meerbusens schweifen, während langsam die glutrote Sonne im Ozean versank. Auf dem Rückweg haben wir uns nochmal richtig warmgelaufen, so dass wir mit Hilfe einer Brotzeit die Stunde in der Bahnhofshalle und im ungeheizten Zug alle überlebt haben.
Heute bin ich nochmal durch die Stadt spaziert, weihnachtlich verschneite Parks. Und auf der Newa treiben die Eisschollen unter der Dreifaltigkeitsbrücke hindurch an Peter-Pauls-Festung und Winterpalast vorbei langsam und majestätisch Richtung offenes Meer. Ja, der Winter hat hier schon was. Ich brauch jetzt schön langsam mal was wärmeres zum Anziehen, schwanke noch zwischen moderner multifunktioneller Winterjacke und altbewährten stylischen Lammfellmantel.

1 Comments:

At 5:42 PM, Anonymous Anonym said...

Hi Peter,

liebe Gruesse nach langer Zeit aus der "Nebel-gibts-hier-auch-Stadt" Fuerstenfeldbruck. Um den Schnee seiest du mit leichtem Neid bedacht, denn im Alpenvorland ist davon noch nichts zu sehen. Ich denke unsere Natur hat sich hier verstaerkt auf die Erschaffung von Erdoel gemacht.

Die Entscheidung der Winterausstattung solltest du trationell zur Gunsten des Lammfellmantels mit echten Birkenknoepfen treffen; natuerlich die Schneewolfimitat-Chapka nicht vergessen. So kannst du einfach mal untertauchen.

Werde ein guter Genosse.
до свидания
Andreas

 

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