Montag, Oktober 04, 2004

Teremok

Es wird Zeit, über eine der sehr erfreulichen Seiten Sankt Petersburgs zu berichten: die Blinis. Blinis haben erstaunliche Ähnlichkeit mit Pfannkuchen, wenn nicht gar mit Crêpes. Sie werden genauso gerne mit süßer wie mit herzhafter Füllung genossen.
Nun gibt es in Petersburg eine Sozietät, die sich der Blinis in besonderer Weise angenommen hat: die Firma Teremok. An jeder besseren Metrostation (und davon gibt es zum Glück viele!) steht einer der Stände mit den freundlichen Mitarbeitern in roter Schürze und Käppi, wo die Leckerbissen für knapp einen Euro das Stück angeboten werden. Zu empfehlen sind beispielsweise der Green-Blin mit leckerem Gemüse oder zum Dessert die Blinis mit Schokosauce und Bananen.
Das Petersburger Klima ist ja leider nicht das allergemütlichste. Oft pfeift der Wind von der Ostsee durch die Straßen, und bald fängt die Zeit der Zapfenkälte an. In dicke Pelzmäntel eingehüllt werden wir uns gegen den Schneesturm stemmen. Langsam dringt die Kälte durch die Kleidung. Und wenn dann die Kräfte nachlassen, die Füße sich müde durch den knietiefen Matsch schleppen, dann taucht mit etwas Glück aus dem Schneegestöber ein freundliches rotes T auf einer kleinen Imbissbude auf. Der Duft der heißen Leckerbissen dringt angenehm in die gerötete Nase, und wenn dann der Blintschik Bissen für Bissen das Herz von innen wärmt, dann weiß ich: hier bin ich ein Stück zu Hause!
Teremok
Das Wochenende war gemütlich ... am Samstag abend war im Wohnheim gemütliches Feiern angesagt. Ich durfte meine Trompete zu russischen Gitarrenklängen blasen, und - kann man sich das vorstellen ? - meine Mitbewohner kannten kein Kazoo, waren über das von mir importierte Exemplar natürlich hellauf begeistert. Sehr erlebenswert war auch die Karaoke-Show. Zwei Stunden lang wurde ich in die tiefe der russischen Seele entführt, mit Klassikern wie "Oh Frost, Oh Frost", "Gop-Stop" (Autostop) und "grünäugiges Taxi, nimm mich mit dahin, wo alle meine Freuden sind".
Sonntag abend sind Goli, Sandra und ich in einen Jazzclub, sehr gepflegt (Eintritt zwei Euro, allerdings gab's nur Holsten zum selben Preis). Ein Quartett namens "Foolton Band" mit lauter Klassikern aus Blues und Rock 'n' Roll. Eine Version von "Bei mir bist Du schön" haben sie auch gespielt, mit einem Text über "sparkling champagne". Das haben sie dann auch auf Russisch gesungen, ich hab allerdings nicht verstanden, um was es ging.