Dienstag, Oktober 26, 2004

dies und das

So, jetzt gibt's mal wieder einiges aufzuholen. Zuerst die schlechten Nachrichten. Vor zwei Wochen ist ein Vietnamese aus meiner Uni von einem Haufen Skinheads in der Nähe von Golis Metrostation erstochen worden. Übel. Und es scheint doch einiges hier los zu sein, auf das ich gut verzichten könnte. Sandra ist ja aus Berlin, die hat es nicht so krass geschockt. Aber es ist schon noch mal was anderes, so was zu hören, wenn man selber Ausländer ist. Wir sehen ja alle einigermaßen aus wie Russen, und ich hab keine Angst, aber Gedanken haben wir uns schon gemacht. Da ist es doch ganz nett, in Regensburg zu wohnen, wo die Polizisten damit beschäftigt sind, Radfahrer ohne Licht anzuhalten. Ja, was soll man machen? Irgendwann geht man halt zur Tagesordnung über und vergisst das Ganze. Weiß nicht, ob das gut ist.

Inzwischen hab ich einen geregelten Stundenplan. Montag frei, Dienstag von zehn bis zwei Russisch. Ist recht guter Unterricht, ich bin immer noch mit den fünf Bambergern zusammen. Unsere Lehrerin ist gut, wäre eigentlich schon pensioniert, aber von der Rente lässt sich halt nicht leben. Wir machen viel Grammatik, lesen Texte, schauen Nachrichten und kriegen immer mal wieder die russische Geschichte und Kultur erklärt und was gerade so los ist im Land. Für ihre 65 ist Tamara Alexandrowna top auf dem Laufenden. Es herrscht immer recht lustige Stimmung, und in den Pausen gibt's am Lehrstuhl ein Klavier Marke "Roter Oktober".
Am Mittwoch hab ich wieder frei. Am Donnerstag wird dann richtig studiert. Ich bin hier im Lehrstuhl angewandte Mathe gelandet, also bei den russischen Programmieren. Von zwölf bis zwei hab ich diskrete Mathe, Theorie von Graphen und Bäumen, da hat der Professor ein Lehrbuch geschrieben, das ich mit Wörterbuch verstehe. Schon skurill, auf russisch Mathe zu studieren, aber irgendwie irgendwie cool. Danach bin ich in einem Seminar über künstliche Intelligenz. Da verstehe ich nicht allzu viel. Ende November werde ich ein Referat über humaoide Roboter halten, C3PO und so ;-). Am Freitag hab ich wieder von zehn bis zwei Russisch und von vier bis sechs Übung zur diskreten Mathe. Da müssen wir ein paar kleine Programme schreiben, und ich denke, dafür gibt's dann einen Schein, den ich in Regensburg anerkennen lassen kann.

Vorletzten Freitag war ich mit Panu aus Finnland in der Bar von der Amerikanischen Botschaft. Am Eingang wurden wir abgetastet und in eine Liste eingetragen. Coole Musik, eine Dartscheibe und wunderbar rauchfrei. Ja, manches ist schon schön auf amerikanischem Territorium. Um drei sind wir dann weiter in einen Club namens "Datscha", wo ein Mädel aus Hamburg den DJ gemacht hat. Ein bisschen NDW, Klasse, und lustige Leute. Ich war dann irgendwann um neun im Bett.
Samstag abend war hier im Wohnheim "KWN". Was das heißt, weiß ich auch nicht, jedenfall haben aus den drei Teilen von unserem Wohnheim verschiedene Mannschaften zwei Stunden lang Sketche über das Leben in Wohnheim und Uni und Stadt aufgeführt. Lustig. Das Wohnheim ist dann wie eine große Familie. Und die Russen stehen einfach auf Show.
Am Sonntag haben wir ein Straßenspektakel von Golis Upsala-Zirkus angeschaut. Klasse. Abends waren wir in der Philharmonie. Ein Klavierkonzert von Rachmanninoff. Na, so ein junger russischer Pianist ist einfach nicht zu verachten.
Die geniale Schönwetterphase ist inzwischen vorbei. Bald wird's kalt.