Donnerstag, Oktober 14, 2004

Aus dem Wohnheim

Gerade sitze ich gemütlich am Fenster , auf den Knien unser 486 DX Laptop mit Windows 3.1, seit über 10 Jahren im Familienbesitz und immer noch treu vor sich hin summend. Erinnerungen an "Monkey Island", "Civilization 1" und "Ski or Die" werden wach ... aber ich schweife ab. Das Fenster habe ich gerade zu gemacht, um halb sieben ist die Sonne untergegangen, und jetzt wird es doch etwas frisch. Vorgestern hatten wir den ersten Nachtfrost. Petersburg wird seit einer Woche von einem Schönwetterhoch beglückt, ein goldener Oktober, wie er im Buche steht. Am Sonntag sind Goli, Sandra und ich noch auf der Wiese im Taurischen Park gesessen. Aus dem Fenster sehe ich jetzt ein paar Sterne, und die hellerleuchteten Fenster meiner Mitbewohner. Das Wohnheim ist wie ein großes U gebaut, auf dem Hof in der Mitte stehen einige schöne Bäume. Von meinem Fenster aus sehe ich da untertags die Blätter tanzen. Ums Eck stehen unsere Müllcontainer, von denen hin und wieder einer lustig brennt. Nicht so lustig sind die Leute, die sich hier aus den Containern ihren Lebensunterhalt zusammenkratzen.

Am Montag war hier in unserer Küche Geburtstagsfeier von Schenja. Mir wurde das Ganze als grosses Trinkgelage angekündigt, so dass ich einige Angst um meine Leber hatte. Aber es war dann mehr ein Festessen mit Leckereien von eingelegten Auberginen über Hühnerbeine mit Kartoffeln bis zu russischem Kraut- und Rüben-Salat. Dazu schmeckte der Wodka äußerst mild, und wurde immer von sehr herzlichen Trinksprüchen begleitet. Irgendwann wurde mal wieder die Gitarre rausgeholt, und meine Trompete hat sich auch gefreut, dass sie nicht einrostet. Erstaunlich, dass unsere Nachbarn noch kein Attentat auf mich ausgeübt haben ;-)

Was war sonst noch so los? Letzte Woche waren wir im "MONEY is HONEY", dem hiesigen Rockabilly-Club beim Tanzen ... ich hab meinen Pass zurück und ein Mehrfachvisum, so dass ich nach Lust und Laune ein- und ausreisen kann ... wir sind zum Smolny-Institut gelaufen, wo Lenin nach der Oktoberrevolution für ein paar Monate seine provisorische Regierung hatte ... am Samstag Abend waren wir kurz in einem orthodoxen Gottesdienst, viel Sing-Sang-Gelese, Kreuz-Schlagen, Ikonen-Küssen, ein schöner Chor und insgesamt eine entspannende Stimmung.
Jo, das war's denn für heute, bis zum nächsten Mal!

2 Comments:

At 3:12 PM, Blogger Goli said...

priwet piotr,
kak djela?
ja chotela tosche tebje pisatj tschutschut ...
ti snaesch, schto ja tak rada, schto ti tosche sdjes?
mi bstretimcja cewodna betscherom, ladna? ja tebe paswanju kagda ja damoj!
poka, golinski
= kurzer besuch meinseits auf dieser wunderschoenen seite - sogar mit bildern!

 
At 3:33 PM, Anonymous Anonym said...

Hallo Pjöt!
vielleicht schaffst du es ja in dem langen russischen Winter mal Josi fertig zu programmieren...
Wie stehts mit den Schafkopf-Fertigkeiten deiner Genossen?
Sers,
Jochen

 

Kommentar veröffentlichen

<< Home