Dienstag, September 07, 2004

Russland!

Am Sonntag Nachmittag stachen wir bei sonnigem Wetter und gutem Wind mit der GTS Finnjet in Rostock in die Ostsee. Schönes Schiff, rundum Unterhaltung und ein Ausblick auf die deutsche Alterspyramide in 20 Jahren. Heute früh sind wir in Sankt Petersburg gelandet, empfangen vom Hafenorchester, die uns einen flotten Marsch aufgespielt haben. Respekt. Die Goli wurde von ihren Zirkusleuten abgeholt, und ich von Denis vom Lehrstuhl für angewandte Mathe. Wir sind erst mal in eine "marschroutka" eingestiegen, so was ähnliches wie ein Großraumtaxi, das feste Routen abfährt, für 12 Leute gebaut ist und bei 20 erst anfängt, gemütlich zu werden. Dazwischen Denis, ich und mein roter Seesack. Dann die erste gute Nachricht: ich wusste, dass die U-Bahnlinie, die zu meiner Uni rausgeht, für die letzten drei Jahre geschlossen war, weil das Stickstoffkühlsystem zusammengebrochen und deswegen Sumpfwasser eingedrungen war. Aber Sensation, vor einem Monat wurde der neue Tunnel eröffnet. Das wird meine Wege in die Stadt sehr vereinfachen.
Dann hab ich mein Wohnheimzimmer bekommen, das eher nicht so glänzend ist. Ich bin jetzt erstmal in einem Wohnheim an der Uni mit lauter Russen einquartiert, was für die Sprache natürlich gut ist. Die Standards sind allerdings sehr niedrig, Jochen, deine Klos in Grenoble waren 5-Sterne-Suiten gegen die hiesigen ;-) Allerdings wurde ich sehr nett empfangen von der Wohnheimmama Oktjabrina Iwanowa und der Meisterin der Bettbezüge namens Nadja. Ich hab meine Mitbewohner noch nicht kennengelernt, ich muss mal schauen wie sich das alles entwickelt. Anscheinend kann ich ab Oktober in das internationale Studentenwohnheim ziehen, wenn ich will.
Nach dem Wohnheim sind wir erstmal in den Süden der Stadt zu einer Poliklinik gefahren , weil ich noch einen russischen AIDS-Test brauchte. Das Krankenhaus hat mich positiv überrascht, denen habe ich mich gerne anvertraut.
Danach sind wir auf den Nevski Prospekt, ich hab einen ersten Blick auf den Winterpalast geworfen. Sehr leiwand, grün und mit Springbrunnen drin. Anschließend haben wir die Uni inspiziert und einen Herrn Schaplygin vom Auslandsamt getroffen. Eine schlechte Nachricht: die im Internet groß angeboteten Kurse auf Englisch finden nur statt O-Ton "wenn irgendjemand sie bezahlt". Also gar nicht. Naja. Dann ist Denis heimgegangen, ich war ziemlich geschlaucht, weil wir eigentlich nur russisch geredet haben. Immerhin, etwa ein Zehntel von dem was er gesagt hat, hab ich verstanden :-) Aber er ist sehr nett, und in zwei Wochen schaut das mit der Sprache schon besser aus.
Vorhin hab ich noch auf eigene Faust die Umgebung der Uni inspiziert, hat mir gut gefallen. Ein Platz mit lauter kleinen Läden, produkty genannt. Und gerade sitze ich in einem Internetcafe, direkt in meinem Wohnheimgebäude, und 10 Stunden für fünf Euro. Schnäppchen und sehr gemütlich. Jetzt werd ich ab ins Bett düsen, morgen werde ich registriert, und eventuell fangen auch schon meine Russischkurse an, acht Stunden die Woche. Passt. Ein sonniger erster Tag in Petersburg geht zu Ende, und mein Tank für Abenteuerlust ist noch randvoll.
Der Goli geht's übrigens auch gut, Ihr weblog gibt's unter www. golila.blogspot.com
Also, Grüße an alle rund um die Welt,
Euer Peter