Freitag, Dezember 16, 2005

Russland Ade

Jetzt bin ich schon wieder eine Weile in Regensburg. Ach ja, die Nostalgie, sich hier auf den alten Seiten zu tummeln ... Inzwischen hab ich eine aktuellere Seite im Netz, und zwar www-cgi.uni-regensburg.de/~hip08444
Vsjevo dobrovo vam!
Piotr

Freitag, August 12, 2005

fast daheim

Vor einer Woche bin ich wieder in den Schoß der Zivilisation zurückgekehrt. Sitze frisch rasiert und sauber in Petersburg am heißgeliebten Computer. Sibirien Ade. Schee war's. Der Altai ist ein Traum. Wie die Alpen samt Vorland, bloß ohne Städte, Dörfer, Straßen und Autos. KEINE MÜCKEN! Nach dem Baikal ist das ein Hallelujah wert ;-) Was will der Mensch mehr. Auf dem Feuer Grießbrei zum Frühstück kochen, und Tee mit Rauchgeschmack trinken. In kalte Gebirgsbäche springen. Durch sanfte Almwiesen wandern und total ab vom Schuss sein. Bloß die Kuhglocken fehlen. Naja, schwer zu erzählen, ich stell bald mal ein paar Fotos ins Netz.
Damit bin ich dann auch schon am Schluss dieser Meldung angelangt, die wohl die letzte aus Russland ist. Denn übermorgen geht's wieder heim ins schöne Bayernland. Ich bedanke mich herzlich bei allen treuen Lesern und Kommentatoren dieser Seite und wünsche ein gesegnetes Neues Jahr! G'sundheit isses Wichtigste! Sa Sdarovje!
Euer Peter

Mittwoch, Juli 20, 2005

in den Altai

Nach einer Fahrt ueber den Baikal und die Angara mit dem Tragfluegelboot bin ich gut in Irkutsk angekommen. Morgen nacht geht mein Zug nach Novosibirsk und dann weiter nach Barnaul im Altai. Dieses Gebirge ist das hoechste in Sibirien, und soll wunderschoen sein. Ich mach da fuer zehn Tage eine Trekking-Tour mit, zum Fuss des Berges Belucha, mit 4506 Metern auch ganz gut dabei. Da unten liegt ein Bergsee namens Ak-Kem, der von den Schamanen wohl als sehr heilig gehalten wird. Falls Ihr mich auf der Karte finden wollt: das ist da, wo Russland, die Mongolei, Kasachstan und China fast zusammenstossen.

Donnerstag, Juli 14, 2005

Der Brunnen des Planeten

So, jetzt hat es doch etwas länger gedauert mit der Meldung. Vor inzwischen fast drei Wochen sind wir also mit unserem Kutter in der Bucht Ayaya angekommen. In der Sprache der Ewenken bedeutet der Name "sehr, sehr schön". Und es war wirklich fast wie im Paradies. Eine tiefe Bucht, links und rechts mit Taiga bewachsene und mit Felszinnen bewehrte Hügel. Wir wurden an einem langen einsamen Sandstrand ausgesetzt. Nachdem unser Schiff wieder außer Sicht war, fühlte ich mich wohl nicht viel anders als Captain Cook bei der Entdeckung Neuseelands. Wir schlugen unser Lager einen Steinwurf vom Strand auf, Feuerstelle und ein Tisch waren schon vorhanden. Und dann begannen zwei Wochen voller Sonne, frischer Luft und Mücken. Ja, wenn diese Plagegeister nicht wären, dann wäre ich jetzt richtig schön braun gebrannt. So waren wir aber über weite Strecken zu langer Kleidung und Moskitonetz verdammt. Wir bauten ein bisschen Steg durch den Sumpf, säuberten den Pfad, badeten im Baikal und futterten Omul, den hin und wieder ein Fischerboot vorbeibrachte, und liessen es uns richtig richtig gut gehen. Nach einer Woche holte uns ein Boot ab, mit dem wir zwei Buchten weiter nach Hakussy schipperten, wo es heisse Quellen und eine kleine Touristenbasis gibt. Ein Traum. In der zweiten Wochen kamen dann doch einige Touristen nach Ayaya, die fleißig unseren Pfad zum Frolichasee nutzten.
Unsere Heimfahrt mit dem Boot sollte eigentlich bloss zwei Stunden dauern, wir brauchten aber etwas länger als geplant, weil unser Kapitän unterwegs einen kleinen Waldbrand erspähte. Ein paar Touristen hatten wohl ihr Feuer nicht richtig gelöscht. Wir kamen gerade rechtzeitig, die ersten großen Bäume und eine kleine Sommerhütte begannen zu brennen. Aber hauptsächlich schwelte bloss der nach zwei Wochen strahlendem Wetter etwas trockene Boden auf ein paar Ar. Zu zwanzigst hatten wir das nach eine halben Stunde Wasser Schleppen und Unterholz Abholzen unter Kontrolle. Was man nicht so alles erlebt.
Die letzten Tage war ich noch auf einem anderen Camp des Great Baikal Trail, hier im Naherholungsgebiet von Sewerobaikalsk. Nach drei Wochen Sonne, Ruhe und heiligem Wasser bin ich jetzt sehr entspannt und bereit, irgendwann die nächsten Tage nach Irkutsk weiter zu ziehen.

Freitag, Juni 24, 2005

Die Perle Sibiriens

Gestern mittag bin ich nach langer Zugfahrt endlich wieder am Baikal angekommen. Ahhhhh. Hier im Norden ist es sehr bergig, ein Traum. Die Stadt Sewerobaikalsk liegt direkt am See, wurde vor 30 Jahren für den Bau der BAM gegruendet. Wir sind dort in der Schule für Tourismus und Umweltschutz untergebracht. Heute haben wir schon die heissen Quellen in den Bergen genossen, die Ruhe und großartige Ausblicke.
Morgen geht's los: zuerst mit der Marschrutka ein bisschen nach Norden, und dann mit dem Schiff auf die andere Seeseite. Da gehört ein Weg gebaut zum acht Kilometer weiter liegenden Frolicha-See. Eigentlich tiefste Pampa, nur auf dem Wasserweg erreichbar, mit vielen Mücken und ein paar Bären. Aber es gibt trotzdem anscheinend einige Leute, die da rumgurken, weil sie zum Beispiel im Lonely Planet darueber gelesen haben. Jetzt sollen sie durch unser großartiges Werk in die richtige Bahn gelenkt werden, damit sie nicht planlos durch die Gegend ziehen. Ich freu mich aufs Zelteln, Lagerfeuer, und die Sterne. Und melde mich in zwei Wochen wieder (falls hier das Internet dann noch läuft ;-).

Sonntag, Juni 19, 2005

Das Erbe der Komsomolzen

Gerade sitze ich im Internetcafe neben dem Kazaner Bahnhof in Moskau. Vorgestern haben wir es im Wohnheim nochmal krachen lassen, gestern hab ich die Koffer gepackt. In einer Stunde geht mein Zug nach Sewerobaikalsk an der Nordspitze des Baikalsees. Dorthin fahre ich ein Stückchen mit der BAM, der legendären Baikal-Amur-Magistrale. Dieses vollkommen wahnwitzige Projekt war eines der Paradestücke der Sowjetregierung, eine Investition in die leuchtende Zukunft Sibiriens und des Weltkommunismus insgesamt. Enthusiastische Komsomolzen aus der ganzen (freien) Welt haben ihre Sommerferien mit knochenharter Arbeit in unwirtlichstem Territorium verbracht, um an diesem Traum mitzuarbeiten, und den sagenhaften aber unzugänglichen Reichtum des Sibirischen Hinterlandes in den Dienst der Weltrevolution zu stellen. Nach der Perestroika ist dieses großartige Projekt wegen mangelnder Rentabilität leider etwas in Misskredit greaten.
Eine vollkommen andere Angelegenheit ist der Great Baikal Trail. Seit zwei Jahren läuft die Arbeit an einem ökologischen Rundwanderweg um den Brunnen der Erde. So soll der Region mit dem sanften Tourismus eine Alternative zu Zellulosekombinaten und Kahlschlag gegeben warden. Enthusiasten aus der ganzen freien Welt, die jetzt hauptsächlich aus Deutschland und den USA besteht, opfern Ihre Sommerferien, um an diesem Traum mitzuarbeiten. Ich bin stolz, mich in ihre Reihen einzuordnen. Ich hoffe, dass so auch ein kleiner Teil des Glanzes unser idellen Vorgänger, der BAMschiks, auf mich abfällt. Infos unter www.baikalplan.de
Noch trennen mich aber vier Tage Zugfahrt vom Ziel meiner Reise. Gerade habe ich eine Dusche im Leningrader Bahnhof genommen – es gibt zwar vielleicht mehr Schimmel als bei McClean in München, aber die 1,30 Euro sind unschlagbar. Hier kann man wohl auch für 9 Euro die Nacht einen Schlafplatz bekommen, ein Geheimtip für alle Sparwilligen. Und ein schönes Relikt aus der Sowjetzeit, mit freundlicher Diensthabenden und Blümchentapete.

Mittwoch, Mai 18, 2005

Fotos

So, jetzt hab ich's endlich mal geschafft, ein paar Fotos ins Netz zu stellen. Die Auswahl ist vollkommen willkürlich, was halt so grad da war. Und jetzt ab nach
http://www-cgi.uni-regensburg.de/~hip08444/Russland/

Dienstag, Mai 10, 2005

Petersburg - Moskau - Karelien - Riga

Heute gibt's mal wieder ein bisserl mehr zu lesen. Bis vor kurzem war hier sogar fast mal sowas wie Alltag eingekehrt. Ich geh in meine Russischkurse. Mit Aljoscha aus der Biophysik war ich hin und wieder an der Uni unterwegs. In einer Vorlesung über Quantenchemie. Dass hab ich zum Anlass genommen, endlich mal in die legendären Lehrbücher von Landau und Lifschitz im Original reinzuschauen. Ein paarmal im Praktikum, Fluoreszenzspektroskopie von Proteinen. Außerdem hat mir Aljoscha sein Labor gezeigt. Er ist erst 20, im 4. Studienjahr und arbeitet schon fleißig recht eigenständig im Institut der Akademie der Wissenschaften für Zellbiologie. Mit der Patch-Clamp-Methode, für die übrigens zwei Deutsche vor etwa 10 Jahren den Nobelpreis bekommen haben. Also stolz sein. Die stechen mit ganz feinen Pipetten durch die Zellmembran, und lassen dann winzige Ströme fließen. Damit können sie Ionenkanäle beim Schalten beobachten. Das war die erste Methode, mit der man quasi einzelnen Proteinen bei der Arbeit zugucken konnte.
Ansonsten hab ich halt einfach die Stadt und die immer länger werdenden Tage genossen.

Vor drei Wochen hab ich Bruderbesuch bekommen. Der Jochen ist zuerst nach Moskau geflogen. Wir haben bei Bekannten in der deutschen Botschaft übernachtet und die Stadt angeguckt. Total verrückt und sehr cool. Neben dem Kreml die Basiliuskathedrale mit den bunten Türmen, die innen drin eher wie eine Mischung aus Klettergerüst und Labyrinth auf dem Kinderspielplatz ist. Daneben der riesige Betonklotz des Hotels "Rossija". Über die Straße ein modernes Bürogebäude, das aber nicht wie gewohnt ein langweiliger Glaskasten ist, sondern ein verwinkeltes Etwas, bei dem der Architekt auch die Genialität hatte, auf halber Höhe eine korinthische Säulenreihe einzufügen. Überhaupt kann man manchmal auf den Hochhäusern griechische Rotunden beobachten. Und irgendwo in der Ferne schwebt über dem Dunst auf den Sperlingsbergen die 200 Meter hohe Silhouette der Lomonossov-Universität. Das Meisterwerk der stalinistischen Architektur in Moskau, die wider Erwarten sehr schön ist. Das größte Gebäude sollte ja eigentlich der Palast der Sowjets werden, 400 Meter hoch plus 80 Meter Leninstatue. Das hat dann aber wegen dem Fundament nicht geklappt. An der Stelle haben sie in den letzten Jahren dafür die Christus-Erlöser-Kathedrale wieder aufgebaut, die auch recht protzig ist. Der Herr Bürgermeister Luschkov (auch CEO der Moskau AG genannt) ist ja mit seinen Mammutprojekten etwas umstritten, aber es ist Klasse, durch diese abgefahrene und hemmungslose Stadt zu wandern.
Lomonosov-Uni
In Petersburg war der Plan, am 20. abends hinter dem Wohnheim zu grillen. Haben wir dann aber wegen Schneefalls sein lassen. Jochen hat seine kurze Hose gleich wieder eingepackt. Die nächsten zwei Wochen haben wir mit intensivem Sight Seeing, Party und allgemeiner Lebensfreude verbracht. Wir waren in Puschkin und in Repino am Meer, im Russischen Museum und der Erimitage, im (zuerst mit einer Müllhalde verwechselten) botanischen Garten der Uni in der Stadt. Nach dem orthodoxen Ostergottesdienst haben wir der Schlossbrücke beim Öffnen zugeguckt. Den Russen im Wohnheim haben wir Schafkopfen beigebracht, und mit ihnen lustig Fußball gezockt. Am letzten Tag haben wir es auch noch in die Banja, ins Ballett und in den Club Gribojedov geschafft. Von da sind wir um sieben früh ins Wohnheim heimgekehrt, haben etwas geschlafen, Jochen hat gepackt, und um elf waren wir schon wieder zum Flughafen unterwegs.

Kurz hatte ich Zeit, mich nochmal über die zwei vergnüglichen Wochen zu freuen. Aber um vier ging mein Zug nach Norden. Aljoscha hatte mich eingeladen, mit auf ein Kletterfestival zu kommen. Dazu muss erwähnt werden, dass die zahlreichen Petersburger Freunde des Sportes der zarten Tritte und starken Unterarme in einer prekären Lage sind. Zwar gibt es einige Kletterhallen in der Stadt. Aber mit der Landschaft hat es hier das Problem, dass sie ungewöhnlich flach ist (erwähnte ich es schon?). Die nächsten ernstzunehmenden Felsen befinden sich etwa 200 Kilometer nördlich der Stadt, in Karelien, diesem Landstrich, der einmal finnisch war, und ebenso diese typische wunderschöne sanfte Mischung aus Wald, Seen und Granit aufweist. Dort ragen am Ufer des Jastribiner Sees ein paar Felsen in die Höhe, deren mit etwa fünfzig Metern höchster den Namen Parnáss trägt. Alljährlich versammeln sich dort für vier Tage im Mai ein paar tausend Kletterfreunde. Und so machten auch wir uns auf, Aljoscha, zwei Freunde und ich, auf dass wir in freier Natur ein wenig die Seele baumeln ließen. Zuerst ging es mit dem Bummelzug vier Stunden bis Kunetschnovo. Um kurz nach 9 waren wir am Endbahnhof. Von da waren es etwa acht Kilometer Fußmarsch bis zum See. Um halb elf abends standen wir das erste Mal auf dem Parnass und ließen den Blick in die Ferne schweifen. Am Felsen stand ein Busch, und es war so verführerisch, wie es aus dem Busch mit heller Stimme herauspfiff, das ich dachte, es müsste eine Nachtigall darinnen sein. Ich sag's Euch: ein Idyll, das seinesgleichen nur in der sanften Stubenberger Hügellandschaft um die Neujahrszeit herum suchen kann.
Jedenfalls ist es schon Klasse: dass man um 11 Uhr abends noch munter ohne Taschenlampe durch den Wald springen kann. Unseren Lagerplatz erreichten wir aber dann doch erst im Dunkeln. Naja, die Jungs sind von zahlreichen Touren in die Wildnis routiniert, und ich konnte die effiziente Errichtung eines Lagers nur bewundern. Nach einem leckeren Abendessen aus Kartoffelbrei und Würstchen, und einigen Liedern zur Gitarre am höchst gemütlichen Feuer, kamen wir dann um halb vier endlich ins Zelt. Ich war platt nach nur zwei Stunden Schlaf die Nacht davor. Zum Glück ging es meinen Kollegen auch nicht anders, und so begannen wir den Freitag gemütlich um drei Uhr nachmittags mit einem Frühstück aus Hirse-Kascha und frischem Tee. Dann gingen wir Holz holen. Hier machte sich die unglaubliche Weite des russischen Waldes bezahlt. Es ist für alle genug da. Wir suchten uns eine etwa 20 Meter hohe trockene Fichte aus, legten die Axt an, und hatten nach einer Stunde Feuerholz für eine ganze Kompanie. Den Rest des Tages schauten wir uns das Gelände an und kletterten ein bisschen. Sonne haben ich leider auf der Tour keine gesehen, dafür hat es auch nicht geregnet. Zum Abendessen gab es Buchweizen mit Dosenfleisch. Lecker. Um halb drei waren wir im Bett.
Ich wäre ja gerne noch länger geblieben, aber ich hatte in meiner Tasche ein Zugticket für Samstag abend nach Riga. Nach unserem Trip nach Tallinn wollten Mario, Mélina und ich nochmal ins Baltikum. Aufgrund des etwas kargen Zugfahrplanes war mein Ziel, um 7:45 Uhr am Bahnhof zu sein. Also stand ich um vier auf, genoss noch mal die Morgenstimmung am See, und machte mich dann auf den Weg. Ich hatte wohl etwas zu lang genossen, und falsche Angaben über die Marschdauer bekommen, jedenfalls verpasste ich meinen Zug um 10 Minuten, der nächste wäre um 8 Uhr abends gegangen. Also stand ich erstmal etwas dumm in der Pampa, und machte mich dann auf, die 15 Kilometer entfernte nächstgrößere Stadt zu erreichen. Nach einer halben Stunde nahm mich zum Glück ein Auto mit. In Kunetschnovo bekam ich eine Marschrutka (privater Linienbus) nach Priosersk, dort bestieg ich um halb zwölf einen Bus nach Petersburg. Der blieb aber nach einer halben Stunde liegen, ich glaub die Kupplung war hin. Naja, einen Bus und den Bummelzug später kam ich dann jedenfalls um halb vier nach Hause. Geduscht, umgepackt, zum Mario zum Abendessen, und um 10 saßen wir dann im Zug nach Lettland. Puh.

Riga ist eine kleine alte gemütliche Stadt (500 000 Einwohner) am Ufer des Flusses Daugava. Sehr europäisch, sauber und freundlich. Wir haben ja den 9. Mai dort mitbekommen, den Tag des Sieges, auf den sich Petersburg schon seit Wochen mit riesigen Propagandaplakaten, Proben für die Paraden und sonstigem Klimbim vorbereitet. Im Baltikum gilt der 9. Mai allerdings eher als Tag der Besatzung durch die Sowjetunion. Daher die Spannungen mit Putin. Ein Drittel der Einwohner Lettlands sind umgesiedelte Russen, und die haben gefeiert. Wir haben uns so eine Kundgebung angeschaut, ein jüdischer Chor hat gesungen, was ich ganz passend fand. Ansonsten gab's tausende von Blumen, Fahnen, und ein Stalinbild. Wir sind durch die Stadt spaziert, haben uns das neue Museum über die Besatzungszeit angeschaut und Europa genossen. Heute früh sind wir wieder heimgekommen, und genieße einen unverplanten Tag.

Ja, Ihr treuen Leser, das war's dann auch schon wieder für diesmal. Schönen Tag noch und bis bald.

Samstag, April 23, 2005

Wintereinbruch im Club

Letzten Sonntag war ich in kurzer Hose joggen, die Huflattiche blühten, und ich hab' in voller Euphorie ein Grillfest geplant. Dann war ich in Moskau, um den Jochen abzuholen, und ein bisschen durch diese verrückte Stadt zu spazieren. Als wir zurückkamen, empfing uns lustiges Schneetreiben. Frost. Weiß. Naja, wir hatten dann eine sehr lustige Feier in der Wohnheimküche mit Gickerln vom Grill.
Gestern waren wir, anstatt an der Neva zu sitzen, ein Bier zu trinken und den Brücken beim Öffnen zuzuschauen, aufgrund der geringen Temperaturen im Club. Mainstream mit russischem Text.
Ja, ich hab ja schon länger nichts mehr ins Netz gestellt ... es ist auch nichts so weltbewegendes passiert, wenn man mal vom deutschen Papst absieht. Wir waren mal ein Wochenende bei unseren neuen EU-Freunden in Tallinn, mal am größten See Europas. Von dem wir allerdings nicht viel gesehen haben. Jetzt freu ich mich auf zwei Wochen Sight Seeing und Gemütlichkeit mit meinem Bruderherz.
Genießt den Frühling daheim! Bis denne, Euer Peter

Freitag, März 25, 2005

Tauwetter

Jetzt schaut's so aus, als kommt der Frühling auch hier an. Seit Montag den 21. März sind ja die Tage hier länger als bei Euch allen, äääätsch! Bloß Markus in Helsinki hat's noch länger hell. Vorhin hab ich schon ein Bankerl in der Sonne vor der Uni ausgestestet, sehr zu meinem Wohlbefinden. Allerdings bringt der Frühling hier auch grandiosen Matsch und gigantische Pfützen mit sich, von denen wir heute eine erste Vorahnung bekommen haben. Und Gefahr von oben, in Form von Eiszapfen und Dachlawinen.
Falls Ihr so wie ich nix besseres zu tun habt: Chris hat die Fotos von unserer Kroatientour vorletzten Sommer ins Netz gestellt, wieder auf www.change-of-heart.co.uk unter "world tour". Extreme Busking! Da könnt Ihr Euch schon mal auf den Sommer einstellen ...

Donnerstag, März 17, 2005

Winter

Oh, wie schön ist es, keine Angst haben zu müssen, dass der ganze Schnee nächste Woche schon weg ist! Anscheinend war in Deutschland dieses Jahr ja auch so richtig Winter wie es sich gehört. Ich genieß es jedenfalls total. Hier gibt's in jedem Park eine Eisfläche mit Schlittschuhverleih. Außerhalb der Stadt hat es ein paar Hügel - da kann man sich Ski ausleihen oder noch besser Traktorreifen. Eine Riesengaudi. Letzte Woche waren wir Langlaufen. Erst eine Stunde mit dem Zug aus der Stadt raus, dort für 4 Euro am Tag Ski geholt und dann sechs Stunden durch den weißen Wald und über einen zugefrorenen See gezogen. Sehr g'führig. Ich bin auf den Geschmack gekommen. Hab mir heute gleich nochmal Ski geholt, im "zentralen Park für Kultur und Erholung", den es in jeder ordentlichen sowjetischen Stadt gibt. Hier liegt er wunderschön auf einer Nevainsel, von einer Familie namens Jelagin enteignet. Am Flussufer bin ich entlang zur Ostsee gelaufen. Was für ein Blick! Weiß soweit das Auge reicht. Kein einziges Wölkchen am Himmel. Hin und wieder ein schwarzer Punkt in der Landschaft, die Eisfischer. Und dann rein in die glitzernde Schneewüste. Ist schon sehr cool, die Stadt von außen zu sehen. Ich weiß, die Physiker haben da eine Erklärung für, aber es ist irgendwie verblüffend, dass man da, wo man im Sommer mühsam schwimmen muss, jetzt auf einmal mühelos drüberflitzen kann.
Jetzt, wo die Sonne sich ordentlich zeigt, ist es perfekt. Könnte ruhig noch ein bisschen so kalt bleiben. Wenn ich daran denke, wie ich mich vor einem Jahr noch vor dem hiesigen Winter gefürchtet habe ... im Januar war's hier wirklich zu dunkel, aber es ist spannend, die Jahreszeiten so intensiv mitzukriegen. In diesem Sinne wünsche ich Euch schon mal einen schönen Frühlingsanfang!

Montag, März 14, 2005

Verzeihung!

Gestern war масленица (masleniza), ein altes heidnisches Fest zur Winteraustreibung. Gleichzeitig der Sonntag der Vergebung. Wie gesagt, die Russen mögen Feiertage. Man begrüßt sich mit “прости”, "Verzeih mir", und löst damit alle Zwistigkeiten des letzten Jahres auf. Eine sehr schöne Sitte. Früher gehörte dazu noch eine vorhergehende großangelegte Schlägerei, bei der sich die Männer des Dorfes die Köpfe eindroschen. Danach ließ es sich um so besser verzeihen. Mir hat mal ein Mitbewohner verraten, die Deutschen sind so gestresst, weil sie sich nie prügeln. Sich mit einem Freund ordentlich kloppen, und danach die erneute Verbrüderung mit Wodka begießen - nichts ist besser, um für Ausgeglichenheit von Körper und Seele zu sorgen.
Gestern lief es etwas gesitteter ab ... im Hof des Wohnheims wurden lustige Spielchen veranstaltet, wie Tauziehen und Wer-schafft-die-meisten-Klimmzüge. Naja. Außerdem aßen wir traditionell große Mengen блины, diese leckeren Pfannkuchen. Danach wurde eine ausgestopfte Babuschka verbrannt, so wie bei uns an Johannis. Heute beginnt die große Fastenzeit bis Ostern, das hier erst Anfang Mai liegt.
Das Wochenende davor hab ich nochmal ausgenützt um nach Helsinki zu fahren, Sandra zum Schiff zu bringen und Markus zu besuchen. Ich war wieder begeistert von der Sauna im Wohnheim. Die Stadt ist sehr gemütlich und ruhig. Auch nicht übel: mit russischen Bussen kommt man für 17 Euro hin und zurück. Die finnischen Züge kosten 50 Euro einfach. Oh, wie komme ich daheim wieder mit den deutschen Preisen zurecht?

Montag, März 07, 2005

Молоко

Sprich Malakó. Auf gut Deutsch Milch. So heißt der traditionsreiche alternative Rockschuppen von Petersburg. Früher war da wohl eine Molkerei drinnen. Ein paar Jungs haben damals ein entsprechendes Schild gefunden, es aufgehängt, und schon war der Name da. In alter Tradition gibt's ein Glas Milch für 30 Cent, fast wie in der Ziege in Simbach.
Wir waren am Samstag drinnen, wegen eines Konzertes von Spitfire, einer der bekannteren Ska-Gruppen. Hammer. Die Musik war vom feinsten, außer dass ein paar Lieder mir zu punkig waren. Sensationelles Gebläse aus Trompete, Posaune und Tenorsaxophon. Die Band machte einen sehr sympathischen Eindruck. Sie sind wohl viel in Europa unterwegs (besseres Geld) und freuten sich sichtlich über das Heimspiel. Ich hab noch nie einen kleinen Raum so vollgepackt erlebt. Noch mehr als in Deutschland scheint Ska hier eine Kampfsportart zu sein - die Erlacher Brüder würden sich zu Hause fühlen. Sich mit bloßem Oberkörper in die Menge schmeißen. Und abgehen. Nach eineinhalb Stunden Sport war die Gaudi vorbei, und unsere Köpfe voller Glückshormone.
Ansonsten sind gerade italienische Wochen im Dom Kino. Allein der Saal ist schon sehenswert, mit Säulen und Empore. Am Freitag haben wir "Andata + Ritorno" angeschaut. Kinotip. Ich fand's eine sehr schön gelungene Mischung aus Amélie und Ocean's Eleven. Zitat: “L’amore non esiste, è per questo che lo facciamo: perchè esista”
Ja, das war's auch schon wieder aus dem Osten für heute. Morgen ist übrigens Frauentag, der hier mal wieder Anlass zu drei Feiertagen gibt ... also Blumen kaufen!

Samstag, Februar 26, 2005

Winterreise

So, jetzt kommt endlich mein Bericht über unseren kleinen Trip online. Ich hoffe, er ist Euch nicht zu lang und schwelgerisch, stellenweise konnte ich meine Begeisterung einfach nicht mehr zügeln. Also, jetzt geht's los:
Mitte Januar machten sich Goli, Sandra, Mario und ich mit einem klar umrissenen Ziel auf den Weg: Sibirien! Da wir des Petersburger Sauwetters mit Regen und Matsch überdrüssig geworden waren, wollten wir uns auf die Suche nach echtem russischen Winter und Väterchen Frost begeben. Zuerst brachte uns ein Zug nach Moskau, wo uns Stepanka einen Tag lang die Stadt zeigte. Abends um halb zwölf wartete dann am Jaroslaver Bahnhof der Mythos auf uns: die TransSib! Wir hatten zu viert ein Abteil, was den Komfort sehr zuträglich war. Abends waren wir dann recht schnell in unseren Kojen eingeschlafen. Der Moment des Aufwachens am ersten Morgen war einer der besten der Reise: vom sanften Ruckeln des Zuges geweckt, und von der ins Abteil scheinenden Sonne. Ein Blick aus dem Fenster zeigt unglaublich viel Weiß, endlos vorbeiziehende Baumreihen, hin und wieder ein Holzhaus, einen zugefrorenen Fluss. Sagenhafte Gemütlichkeit macht sich breit: für drei Tage bestanden unsere einzigen Aufgaben darin, heißes Wasser vom Samowar am Ende des Abteil zu holen, den Klapptisch zu decken, das Essen zu genießen, abzuspülen, und hin und wieder bei den zwanzigminütigen Aufenthalten etwas Luft zu holen und Proviant nachzukaufen. Wir hatten uns Nutella geleistet, und Mario hatte aus seinem Heimatdorf eine sensationelle Pfälzer Hausmacherleberwurst mitgebracht. Langweilig wurde uns nie. Wir fuhren durch Ekaterinburg, Tomsk, Novosibirsk und Krasnojarsk, überquerten Wolga, Ob und Enissej. Aber nichts kam an diesen Moment des ersten Aufwachens heran, als das Abteil noch frei von Mief und der Kopf zufrieden ohne Beschäftigung war, ganz erfüllt vom Rhythmus der Räder und der Freiheit und dem Gedanken an ein acht Zeitzonen umfassendes Land, zusammengehalten nur durch dieses endlose Band von Geleisen, auf dem unser Zug mit 80 Kilometern in der Stunde stetig seinen Weg nach Osten machte.
Am Morgen des vierten Tages erreichten wir das vorläufige Ziel unserer Reise: Irkutsk. Einigen bekannt von "Risiko"-Abenden, anderen als die Stadt am Baikalsee. Als ich vor anderthalb Jahren das erste Mal da war, hatte ich auf einer Exkursion Viktor kennen gelernt, der an der biologischen Fakultät arbeitet. Er hatte uns eingeladen, vorbeizukommen. Ich hatte allerdings nicht erwartet, dass er, seine Frau Nastja und ihr zehnjähriger Sohn Serjoscha ihr eines Zimmer im Wohnheim räumen und sich bei der Schwiegermutter einquartieren würden. Das ist wohl die russische Gastfreundschaft par excellence. Jedenfalls hatten wir es dort sehr gemütlich.
Am dritten Tag fuhren wir an den See. Wir deckten uns erstmal mit Omul ein, dem legendären dortigen Fiiiiisch. Dann schulterten wir unser Säckel und machten uns auf den Weg zu einem Dorf, in dem die biologische Fakultät ein paar Hütten besitzt. Im Winter ist der Ort nicht mit dem Auto erreichbar. Unsere ursprünglich geplante Route, 20 Kilometer übers Eis, war aufgrund des warmen Winters noch nicht sicher. Also machten wir uns bei humanen 15 Grad minus hintenrum auf den Weg, bei strahlendem Sonnenschein durch eine klassische Winterlandschaft. So sehr viel Schnee gibt's da drüben nicht, weil kein Meer außer dem Baikal in der Nähe ist. Dafür sind die Baumstämme alle ganz weiß eingereift. Und alles glitzert in der Sonne. Nachdem wir über einen Hügel geklettert waren, rutschten wir wieder dem See zu. Und nach fünf Stunden Wanderung lag er dann in der Abendsonne vor uns: das heilige Meer, die Perle Sibiriens, eine riesige weiße Eisfläche. Am Ufer Kiefern und Felsen, alles in warmes goldenes Licht getaucht. Und in der Ferne das andere Ufer: die Gipfel des Chamar-Dhaban-Gebirges, etwas unwirklich über dem Dunst schwebend.
Im Dorf wurden wir von einem Professor empfangen, der dort seine Winterruhe verbringt. Unsere Hütte war wie aus dem Bilderbuch: mit russischem Ofen, Plumpsklo im Garten und Matratzenlager. Wir verbrachten den Abend mit Holzhacken, Einschüren, Wasserholen aus einem Eisloch im See, Teekochen, Omul und Wodka. Am nächsten Tag spazierten wir auf einen Hügel, genossen die Aussicht, fühlten uns auf dem See bei starkem Wind wie Polarforscher. Ein zugefrorener See gibt ja auch bei uns so komische Geräuschee von sich, wenn das Eis knackt. Am Baikal hat das etwas mehr Ähnlichkeit mit einem entfernt vorbeirauschenden Güterzug. Abends wärmten uns dann in der Banja auf. Die Banja: ein Traum aus Holz, Wasser, Dampf, Birkenzweigen, und Schneebädern vor der Tür. Ich wäre gerne noch eine Woche dageblieben, so weit weg vom Lärm der Zivilisation.
Am dritten Tag wanderten wir wieder zurück. Wir verbrachten noch etwas Zeit in Irkutsk. Unser Plan, ins Ostsajan-Gebirge zu fahren scheiterte leider daran, dass es plötzlich 35 Grad minus hatte, und unser Fahrer die seinem Auto nicht ohne Bedenken zutraute. Während die anderen drei den Trip noch nachholten, fuhr ich weiter nach Wladiwostok, um Hans-Peter zu besuchen, der da auch für ein Jahr studiert. Diese letzten drei Tage sind der landschaftlich spannendste Teil der TransSib, mit vielen Hügeln und Flüssen, darunter über den zwei Kilometer breiten Amur. Nach 9288 Kilometern ab Moskau kam ich an. Wladiwostok verleiht dem Wort Endstation eine ganz eigene Bedeutung: im Osten grenzt China an, im Süden Nordkorea, und im Westen das Japanische Meer. Die Stadt liegt recht hügelig auf einer Halbinsel, die geographische Breite ist die von Marseille, aber das Meer ist zugefroren. Das ist hübsch. Nach vier Tagen fast in Japan sind wir gemeinsam nach Moskau geflogen. Von oben wird einem die unglaubliche Leere Sibieriens noch viel bewusster. Die Flüsse mäandern in riesigen Schleifen durch die Gegend. Irgendwo trollt sich ein Bär davon. Wir waren leider zu weit oben, um ihn zu sehen.
In Moskau hatten wir ein Seminar vom DAAD, aber auch viel Zeit zum Sight Seeing, und zum Eislaufen im Gorki-Park. Wir wohnten in der deutschen Botschaft, was auch sehr spannend war. Naja, und irgendwann bin ich zurückgefahren, und wir haben Goli's letzte Woche in Petersburg gefeiert. Das Semester hat eigentlich auch schon wieder angefangen, aber ich bin noch nicht so recht in Stimmung ... schwebe mit den Gedanken noch irgendwo im Osten über eine riesige weiße Fläche ... sinniere, was genau jetzt eigentlich den Baikal so schön macht ... ich glaube, ich muss einfach nochmal hin.

Montag, Februar 21, 2005

Jazz, Jazz, Jazz ...

Am Freitag durften wir Zeugen eines sagenhaften Konzertes werden. Daniil Kramer, russischer Jazzpianist im großen Saal der Philharmonie. Eineinhalb Stunden Improvisation unter dem Motto "Jazz trifft Klassik". Wir waren hin und weg. Lag auch an den genialen Plätzen, von denen wir von schräg unten auf die Tasten gucken konnten.
Das erste Stück liess den Ausgang des Experiments noch offen. Vom ersten Eindruck wirkte der Kollege etwas unsicher. Aber nachdem er etwas über seine Philosophie geplaudert hatte, ging es ab. Modern, aber melodisch. Nach einiger Zeit begann der Fuss zu wippen, um bald in schnellen Achteln die Bühne zu kloppen. Dann bewegte sich der Oberkörper dazu. Und als selbst die in atemberaubendem Ragtime-Tempo über die Tasten fliegenden Finger noch nicht genug waren, musste er die fehlenden Töne durch das kontrapunktierte "Dap-dadap-dap-dabadap-dap" seines Stimmorganes ergänzen. Dazu hin und wieder ein verschmitztes Lächeln, dessen sich selbst Helge nicht schämen bräuchte.
Vor Anfang eines Stückes ließ er seine Hände über den Tasten schweben. Man sah förmlich, wie er sich in Gedanken durch das Feuerwerk der Töne in seinem Innern bewegte, um den richtigen für uns auszusuchen. Und dann eine kleine göttliche Phrase in den Raum perlen zu lassen. Ein Mann mit Inspiration. Aber nicht abgehoben, sondern einfach begeistert von seiner Aufgabe, uns aufzuspielen. Und gemeinsam ein klein wenig den Vorhang zu lüpfen um etwas zu fassen vom Geheimnis des Jazz. Daniil Kramer!

Jazz
P.S.: Goli, alles Gute in Regensburg!
P.P.S.: Einen kleinen Bericht über Sibirien gibt's im Laufe der Woche ... dranbleiben ...

Dienstag, Januar 25, 2005

aus Irkutsk

Bloss schnell ein kurzer Gruss aus Sibirien. Alles ist weiss und schoen. Mitte Februar bin ich wieder in Petersburg, dann gibt's genaueres. Damit ihr Euch derweil nicht langweilt, empfehle ich Euch die Seite
www.change-of-heart.co.uk
Da hat Chris sein Rockstarleben ausgestellt, unter Weltreise gibt's lustige Fotos von unserem Trip nach Spanien diesen Sommer.

Freitag, Januar 07, 2005

weiß

"Endlich hat’s hier mal wieder richtig schönen Winter. Gestern war ich im Uni-Park joggen. Traumhaft g’führiger Schnee. Eine Langlaufloipe zieht sich zwischen den Bäumen durch. Auf dem Spielplatz vergnügt sich ein in einen dicken Schneeanzug verpackter kleiner Russe und seine Mama (g’lacht hat er! Des hätten Sie sehen sollen!)"
Diesen blogEintrag habe ich heute nachmittag komponiert. Jetzt hat sich das ganze leider etwas gewendet: es regnet. Scheiß Petersburger Sauwetter.
Gestern auf heute ist orthodoxes Weihnachten, was die Russen wieder als Anlass für Gelage, Wodka und Feuerwerk nehmen. Wir waren gestern um elf bei der Kirche an der Uni, weil die zu der Zeit anscheinend dreimal um die Kirchen prozessieren. Leider war unsere zu. Wir sind stattdessen auf den eingerüsteten Wasserturm gekraxelt und haben uns die Welt von oben angeschaut.
Alles in allem ist es gerade sehr stressfrei und gemütlich.

Montag, Januar 03, 2005

wieder on line

So, liebe Leserinnen und Leser, jetzt ist die Weihnachtspause vorbei. Schee war's. Hat schon gut angefangen mit einem Weißwurschtfrühstück beim Jochen in Würzburg. Den Rest der Zeit war ich hauptsächlich in Nürnberg, mit kleinen Abstechern nach Regensburg und Augsburg. Und zum Schluss natürlich beim klassischen Neujahranblasen in Stubenberg. Der Tiger Rag fetzt wie eh und je. Aber Ihr wollt ja alle wissen, wie's in Russland ausschaut.
Am 29. bin ich mit Goli und ihrem Bruder Sebastian mit Pulkovo hergeflogen. Am Flughafen in Petersburg sind uns gleich mal drei Busse vor der Nase weggefahren, weil sie alle an verschiedenen Stellen und nur für fünf Sekunden gehalten haben. Ansonsten war am ersten Abend in Golis Wohnung kein Wasser da, auf das warme warten sie immer noch. In dem Punkt ist mein Wohnheim überlegen, Ätsch! Außerdem war mein erster Einkaufsversuch nicht erfolgreich, weil die Verkäuferin mir nicht auf meinen 20-Rubel-Schein rausgeben konnte, als ich eine Flasche Wasser für 12 kaufen wollte. Willkommen zurück in Russland! Die Kälte ist immer noch nicht da, knapp unter Null, der Tag ist zwar sechs Stunden lang, aber die Sonne kratzt gerade mal so über den Horizont. Naja, wir sind halt bis jetzt dann immer erst um eins aufgestanden ... Winterschlaf. Neujahr haben wir bei uns im Wohnheim gefeiert. Zuerst eine große Tafelrunde, um fünf vor zwölf wurde der Fernseher angemacht für Putins Neujahrsansprache, eher unspektakulär. Um zwölf dann die Kreml-Glocken, danach zu Bildern aus Moskau die beste Nationalhymne der Welt. Die ist ja jetzt eigentlich nur noch instrumental, aber unsere Russen haben natürlich den alten sowjetischen Text zum Besten gegeben. Danach war's eigentlich wie in Deutschland, bloß dass hier etwas ausdauernder gefeiert wird. Wir sind am ersten mit der ersten Metro zu Goli gefahren, ich war dann zwei Tage mit Magengrimmen im Bett, und als ich heute wieder ins Wohnheim gekommen bin, haben sie immer noch mit Wodka aufs neue Jahr angestoßen. Respekt. Am sechsten und siebten ist orthodoxes Weihnachten, dann irgendwann Neujahr nach dem alten Kalender, dann dasselbe für Weihnachten, so dass jetzt bis Mitte Januar gefeiert wird. Wenn alles klappt steigen wir am 14. nachts in den Zug nach Moskau, am 15. in die TransSib, sind am 19. frühmorgens in Irkutsk, laufen über den Baikalsee, und dann geht's wohl noch weiter nach Wladiwostok. Wann hat man schon mal die Gelegenheit zu so einer Winterreise ... vielleicht gibt's in Sibirien wenigstens ein bisschen polare Kälte, ich kann doch nicht jedem erzählen, ach ja, Russland ist eigentlich recht warm.
In diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein frohes Neues Jahr 2005, dass das warme Wasser nicht versiegt, sprich, die Russen weiter brav Gas nach Deutschland liefern, dass Toll Collect bis zum Sommer funktioniert, und dass Schnappi weiterhin die Charts stürmt. Last not least: G'sundheit is' 's wichtigste!

Samstag, Dezember 11, 2004

Aus Suomi

Da in Petersburg der schöne Schnee durch Tauwetter vertrieben wurde, bin ich geflüchtet. Asyl wurde mir gewährt von Markus in Helsinki. Vorher haben wir natürlich noch gebührend mit Borschtsch-Verschnitt und Blinis gefeiert. Am Montag fliege ich heim, und hoffe, dass die Adventsatmosphäre stärker ist als der Kaufrausch. Eine gemütliche staade Zeit allerseits!

Montag, November 22, 2004

Väterchen Frost

Jetzt wird's endlich schön langsam auch in Russland kalt. Letzte Woche wars noch gut über Null, irgendwann hat dann die Talfahrt eingesetzt, und gestern hatten wir 10 Grad minus. Am Samstag war traumhafte Sonne, noch kein Schnee und die Pfützen waren fantastische Rutschbahnen. Am Sonntag wollten wir das schöne Wetter für einen kleinen Abstecher an den Strand nutzen, haben uns also für zehn Uhr morgens am finnischen Bahnhof verabredet. Der Blick gestern nach dem Aufstehen aus dem Fenster war dann etwas überraschend: Schneegestöber und pfeifender Wind. Naja, haben wir uns gedacht, sind wir jetzt in Russland oder nicht ... also raus. Am Bahnhof haben wir Judith getroffen, die dritte Freiwillige vom Zirkus, und Edgar, der mit mir im Russisch-Kurs ist. Dann mit der Elektritschka nach Repino. Warm eingepackt sind wir zum Strand runter. Der hartgefrorene Sand war sehr angenehm zum Laufen, und der darüberfegende Schnee hübsch anzusehen. Und auf der Ostsee sind die ersten Eisbatzen getrieben. Unser Plan, ein Feuer zu entfachen, wurde nach einigen Versuchen zwecks mangelnder Qualität des Brennholzes aufgegeben.
Ein paar hundert Meter vom Strand hat sich ein russischer Maler namens Ilja Repin vor hundertfünfzig Jahren ein sehr gemütliches Holzhaus bauen lassen, um die Ruhe zu genießen. Da ist jetzt ein Museum drin. Nach ein paar Stunden am Strand und in einem Cafe sind wir dort angekommen, und von altsowjetischen Bildungsbeamtinnen rumgeführt worden. Aus dem ersten Stock haben wir dann durch die Bäume auf einmal gesehen, dass über dem Meer der Himmel knallrot wurde: die Sonne kam doch noch raus! Also schnell über die Dünen runter zum Meer, und Ahhhh! Andächtig ließen wir unseren Blick über die unglaubliche Weite des Finnischen Meerbusens schweifen, während langsam die glutrote Sonne im Ozean versank. Auf dem Rückweg haben wir uns nochmal richtig warmgelaufen, so dass wir mit Hilfe einer Brotzeit die Stunde in der Bahnhofshalle und im ungeheizten Zug alle überlebt haben.
Heute bin ich nochmal durch die Stadt spaziert, weihnachtlich verschneite Parks. Und auf der Newa treiben die Eisschollen unter der Dreifaltigkeitsbrücke hindurch an Peter-Pauls-Festung und Winterpalast vorbei langsam und majestätisch Richtung offenes Meer. Ja, der Winter hat hier schon was. Ich brauch jetzt schön langsam mal was wärmeres zum Anziehen, schwanke noch zwischen moderner multifunktioneller Winterjacke und altbewährten stylischen Lammfellmantel.

Samstag, November 20, 2004

Altai

Am Donnerstag hab ich mein Referat über die Bühne gebracht, erstaunlicherweise hat sich mein PowerPoint-Vortrag dann doch anstandslos mit den russischen Rechnern verständigt. Abends war ich bei Vadim Alexandrowitsch Schalygin zu Gast, einem Professor der Polytechnischen, der letztes Jahr mal in Regensburg war. Damals hab ich ihn kurz kennengelernt, und als er mir neulich über den Weg gelaufen ist, hat er mich gleich zum Essen eingeladen. Da ist sie, die berüchtigte russische Gastfreundschaft! War super nett, lecker Essen, und ewig geratscht. Sie verstehen alle nicht ganz wieso ich hier bin. Ich auch nicht. Aber lustig ist's meistens. Sie haben Faust und Hermann Hesse auf Russisch daheim. Wir haben ein Urlaubsvideo angeschaut, wo sie vor drei Jahren zwei Wochen lang im Altai-Gebirge wandern waren. Der Vadim hatte da für ein paar Freunde mit Familien eine Tour organisiert, und das was ich davon gesehen habe, war ein Traum. Adler, Bergseen, Gletscher. Der Altai ist in Südsibirien, etwas westlich vom Baikal, und eigentlich wie die Alpen. Bloß weniger Straßen, Städte, und Leute. Hin.

Freitag, November 12, 2004

C3PO & CO

Die letzten zwei Stunden hab ich hier im Internetcafe verbracht, auf der Suche nach Material für mein Referat über Humanoide Roboter nächste Woche. Es ist unglaublich was man alles findet. Sehr geschockt hat mich dieses Bild von einem Roboter der Firma Toyota. Ja, wo kommen wir denn da noch hin?
Tröter
Wenn Ihr wissen wollt, wie weit die schon sind mit ihren Robotern, dann schaut mal auf www.plyojump.com. Sehr schöne Seite. In Japan sind sie anscheinend rasenmähende und staubsaugende Roboter an der Tagesordnung. Der QRIO von Sony hat die fünfte von Beethoven dirigiert. 2006 kommt parallel zur WM der Robocup nach Deutschland, wo Roboter Fussball spielen und zeigen was sie sonst noch können. Das würd ich mir schon mal gerne live anschauen. Ob das in Wirklichkeit auch so beeindruckend ist wie auf der SONY-homepage.
Zum Neujahranblasen werden die Roboter nie eingesetzt werden können, die vertragen doch den Milden so schlecht. Mit menschlichen Grüßen aus Russland, Euer Peter.

Mittwoch, November 10, 2004

Besuch

Letzte Woche waren Golis Eltern und ihre Schwester Silke hier. Sight-Seeing und Schlemmer-Programm. Wir haben den Kreuzer Aurora angeschaut, von dem im Roten Oktober der Sturm auf den Winterpalast eröffnet wurde. Ein alter Seebär namens Viktor hat uns durchs Museum geführt und uns alles über die russische Marine erzählt.
Außerdem waren wir in Puschkin, noch so eine Zarenresidenz. Mal wieder ein riesiger wunderschöner Park, mit großem See, und dem Katharinenpalast. Und da drinne - das Bernsteinzimmer! Leibhaftig! Es ist wirklich sehr schön. So viel Arbeit. 23 Jahre lang haben sie da für 11 Millionen Dollar rumgewerkelt. Und seit einem Jahr schaut es jetzt wieder genau wie das Original aus, das in Königsberg verschollen ist und jetzt irgendeinem Glücklichen als Wohnzimmer dient. Die Sonne hat geschienen, und dann ist es auch im November hier wunderbar.
Am Freitag waren wir im Mariinski-Theater, wo es die Russische Ballett-Truppe schlechthin zu sehen gibt. Lena (die Choreographin, die mit Goli zusammen wohnt) kriegt feuchte Augen vor Begeisterung, wenn sie davon schwärmt. Naja, sie sind halt drei Stunden rumgehopst, irgendeine Geschichte mit Don Quixote, und irgendwie ist mir zu meiner Verwunderung nie langweilig geworden. Hat schon was, wie die über die Bühne schweben. Eine Primaballerina und ihr blonder Jüngling.
Das Wetter war die ganze Woche ziemlich schön, Petersburg wird den Vorurteilen überhaupt nicht gerecht. Am Samstag ist der Beuerberger Tross wieder heimgeflogen, und Sonntag haben wir Winterschlaf gehalten. Und jetzt kehrt wieder der "Alltag" ein. Heute haben wir in Russisch wieder Nachrichten angeschaut. Der Putin bastelt weiter fleißig an seiner "Stärkung der Machthorizontalen". Freut sich, dass die Unterstützung aus dem Westen im Kampf gegen den Terror für vier weitere Jahre gesichert ist. Und Tamara, unsere Lehrerin, hat uns über Kosmetikprodukte erzählt. Dass die sowjetischen immer noch die besten sind. Aber sie haben halt langweilige Verpackungen und werden nicht beworben. Deswegen kaufen die Russen das europäische Zeug. Wie mit den Äpfeln: man greift immer nach den großen bunten fleckenlosen faden. Obwohl die kleinen schrumpligen oft viel besser sind. Tja, die Segnungen der freien Wahl in der Marktwirtschaft!
Helden
Diese zwei Helden waren auch schon mal in Pushkin.

nicht wichtig

ß ö ä ü Ä Ü Ö
img src="http://www.peterhof.org/Peterhof.jpg" width="400" height="200" alt="Peterhof"

Freitag, Oktober 29, 2004

Adresse

PETER HIEMEYER (das bin ich)
KORPUS 14A, KOMNATA 532 (das ist mein Wohnheim und mein Zimmer)
NEPOKORENNYCH PROSPEKT 8/2 (das ist mein Häuserblock)
194021 SANKT-PETERSBURG (das ist eine schöne Stadt an der Ostsee)
RUSSLAND (da brauch ich nichts zu sagen)
Ich freu mich über Post!

Dienstag, Oktober 26, 2004

dies und das

So, jetzt gibt's mal wieder einiges aufzuholen. Zuerst die schlechten Nachrichten. Vor zwei Wochen ist ein Vietnamese aus meiner Uni von einem Haufen Skinheads in der Nähe von Golis Metrostation erstochen worden. Übel. Und es scheint doch einiges hier los zu sein, auf das ich gut verzichten könnte. Sandra ist ja aus Berlin, die hat es nicht so krass geschockt. Aber es ist schon noch mal was anderes, so was zu hören, wenn man selber Ausländer ist. Wir sehen ja alle einigermaßen aus wie Russen, und ich hab keine Angst, aber Gedanken haben wir uns schon gemacht. Da ist es doch ganz nett, in Regensburg zu wohnen, wo die Polizisten damit beschäftigt sind, Radfahrer ohne Licht anzuhalten. Ja, was soll man machen? Irgendwann geht man halt zur Tagesordnung über und vergisst das Ganze. Weiß nicht, ob das gut ist.

Inzwischen hab ich einen geregelten Stundenplan. Montag frei, Dienstag von zehn bis zwei Russisch. Ist recht guter Unterricht, ich bin immer noch mit den fünf Bambergern zusammen. Unsere Lehrerin ist gut, wäre eigentlich schon pensioniert, aber von der Rente lässt sich halt nicht leben. Wir machen viel Grammatik, lesen Texte, schauen Nachrichten und kriegen immer mal wieder die russische Geschichte und Kultur erklärt und was gerade so los ist im Land. Für ihre 65 ist Tamara Alexandrowna top auf dem Laufenden. Es herrscht immer recht lustige Stimmung, und in den Pausen gibt's am Lehrstuhl ein Klavier Marke "Roter Oktober".
Am Mittwoch hab ich wieder frei. Am Donnerstag wird dann richtig studiert. Ich bin hier im Lehrstuhl angewandte Mathe gelandet, also bei den russischen Programmieren. Von zwölf bis zwei hab ich diskrete Mathe, Theorie von Graphen und Bäumen, da hat der Professor ein Lehrbuch geschrieben, das ich mit Wörterbuch verstehe. Schon skurill, auf russisch Mathe zu studieren, aber irgendwie irgendwie cool. Danach bin ich in einem Seminar über künstliche Intelligenz. Da verstehe ich nicht allzu viel. Ende November werde ich ein Referat über humaoide Roboter halten, C3PO und so ;-). Am Freitag hab ich wieder von zehn bis zwei Russisch und von vier bis sechs Übung zur diskreten Mathe. Da müssen wir ein paar kleine Programme schreiben, und ich denke, dafür gibt's dann einen Schein, den ich in Regensburg anerkennen lassen kann.

Vorletzten Freitag war ich mit Panu aus Finnland in der Bar von der Amerikanischen Botschaft. Am Eingang wurden wir abgetastet und in eine Liste eingetragen. Coole Musik, eine Dartscheibe und wunderbar rauchfrei. Ja, manches ist schon schön auf amerikanischem Territorium. Um drei sind wir dann weiter in einen Club namens "Datscha", wo ein Mädel aus Hamburg den DJ gemacht hat. Ein bisschen NDW, Klasse, und lustige Leute. Ich war dann irgendwann um neun im Bett.
Samstag abend war hier im Wohnheim "KWN". Was das heißt, weiß ich auch nicht, jedenfall haben aus den drei Teilen von unserem Wohnheim verschiedene Mannschaften zwei Stunden lang Sketche über das Leben in Wohnheim und Uni und Stadt aufgeführt. Lustig. Das Wohnheim ist dann wie eine große Familie. Und die Russen stehen einfach auf Show.
Am Sonntag haben wir ein Straßenspektakel von Golis Upsala-Zirkus angeschaut. Klasse. Abends waren wir in der Philharmonie. Ein Klavierkonzert von Rachmanninoff. Na, so ein junger russischer Pianist ist einfach nicht zu verachten.
Die geniale Schönwetterphase ist inzwischen vorbei. Bald wird's kalt.

Donnerstag, Oktober 14, 2004

Aus dem Wohnheim

Gerade sitze ich gemütlich am Fenster , auf den Knien unser 486 DX Laptop mit Windows 3.1, seit über 10 Jahren im Familienbesitz und immer noch treu vor sich hin summend. Erinnerungen an "Monkey Island", "Civilization 1" und "Ski or Die" werden wach ... aber ich schweife ab. Das Fenster habe ich gerade zu gemacht, um halb sieben ist die Sonne untergegangen, und jetzt wird es doch etwas frisch. Vorgestern hatten wir den ersten Nachtfrost. Petersburg wird seit einer Woche von einem Schönwetterhoch beglückt, ein goldener Oktober, wie er im Buche steht. Am Sonntag sind Goli, Sandra und ich noch auf der Wiese im Taurischen Park gesessen. Aus dem Fenster sehe ich jetzt ein paar Sterne, und die hellerleuchteten Fenster meiner Mitbewohner. Das Wohnheim ist wie ein großes U gebaut, auf dem Hof in der Mitte stehen einige schöne Bäume. Von meinem Fenster aus sehe ich da untertags die Blätter tanzen. Ums Eck stehen unsere Müllcontainer, von denen hin und wieder einer lustig brennt. Nicht so lustig sind die Leute, die sich hier aus den Containern ihren Lebensunterhalt zusammenkratzen.

Am Montag war hier in unserer Küche Geburtstagsfeier von Schenja. Mir wurde das Ganze als grosses Trinkgelage angekündigt, so dass ich einige Angst um meine Leber hatte. Aber es war dann mehr ein Festessen mit Leckereien von eingelegten Auberginen über Hühnerbeine mit Kartoffeln bis zu russischem Kraut- und Rüben-Salat. Dazu schmeckte der Wodka äußerst mild, und wurde immer von sehr herzlichen Trinksprüchen begleitet. Irgendwann wurde mal wieder die Gitarre rausgeholt, und meine Trompete hat sich auch gefreut, dass sie nicht einrostet. Erstaunlich, dass unsere Nachbarn noch kein Attentat auf mich ausgeübt haben ;-)

Was war sonst noch so los? Letzte Woche waren wir im "MONEY is HONEY", dem hiesigen Rockabilly-Club beim Tanzen ... ich hab meinen Pass zurück und ein Mehrfachvisum, so dass ich nach Lust und Laune ein- und ausreisen kann ... wir sind zum Smolny-Institut gelaufen, wo Lenin nach der Oktoberrevolution für ein paar Monate seine provisorische Regierung hatte ... am Samstag Abend waren wir kurz in einem orthodoxen Gottesdienst, viel Sing-Sang-Gelese, Kreuz-Schlagen, Ikonen-Küssen, ein schöner Chor und insgesamt eine entspannende Stimmung.
Jo, das war's denn für heute, bis zum nächsten Mal!

Mittwoch, Oktober 06, 2004

juhuu!

Die Heizung ist an!

Montag, Oktober 04, 2004

Teremok

Es wird Zeit, über eine der sehr erfreulichen Seiten Sankt Petersburgs zu berichten: die Blinis. Blinis haben erstaunliche Ähnlichkeit mit Pfannkuchen, wenn nicht gar mit Crêpes. Sie werden genauso gerne mit süßer wie mit herzhafter Füllung genossen.
Nun gibt es in Petersburg eine Sozietät, die sich der Blinis in besonderer Weise angenommen hat: die Firma Teremok. An jeder besseren Metrostation (und davon gibt es zum Glück viele!) steht einer der Stände mit den freundlichen Mitarbeitern in roter Schürze und Käppi, wo die Leckerbissen für knapp einen Euro das Stück angeboten werden. Zu empfehlen sind beispielsweise der Green-Blin mit leckerem Gemüse oder zum Dessert die Blinis mit Schokosauce und Bananen.
Das Petersburger Klima ist ja leider nicht das allergemütlichste. Oft pfeift der Wind von der Ostsee durch die Straßen, und bald fängt die Zeit der Zapfenkälte an. In dicke Pelzmäntel eingehüllt werden wir uns gegen den Schneesturm stemmen. Langsam dringt die Kälte durch die Kleidung. Und wenn dann die Kräfte nachlassen, die Füße sich müde durch den knietiefen Matsch schleppen, dann taucht mit etwas Glück aus dem Schneegestöber ein freundliches rotes T auf einer kleinen Imbissbude auf. Der Duft der heißen Leckerbissen dringt angenehm in die gerötete Nase, und wenn dann der Blintschik Bissen für Bissen das Herz von innen wärmt, dann weiß ich: hier bin ich ein Stück zu Hause!
Teremok
Das Wochenende war gemütlich ... am Samstag abend war im Wohnheim gemütliches Feiern angesagt. Ich durfte meine Trompete zu russischen Gitarrenklängen blasen, und - kann man sich das vorstellen ? - meine Mitbewohner kannten kein Kazoo, waren über das von mir importierte Exemplar natürlich hellauf begeistert. Sehr erlebenswert war auch die Karaoke-Show. Zwei Stunden lang wurde ich in die tiefe der russischen Seele entführt, mit Klassikern wie "Oh Frost, Oh Frost", "Gop-Stop" (Autostop) und "grünäugiges Taxi, nimm mich mit dahin, wo alle meine Freuden sind".
Sonntag abend sind Goli, Sandra und ich in einen Jazzclub, sehr gepflegt (Eintritt zwei Euro, allerdings gab's nur Holsten zum selben Preis). Ein Quartett namens "Foolton Band" mit lauter Klassikern aus Blues und Rock 'n' Roll. Eine Version von "Bei mir bist Du schön" haben sie auch gespielt, mit einem Text über "sparkling champagne". Das haben sie dann auch auf Russisch gesungen, ich hab allerdings nicht verstanden, um was es ging.

Montag, September 27, 2004

Zarenpalast und Großstadtkunst

So, nach der langen Funkpause gibt’s jetzt wieder Neues aus Russland. Hier im Internetcafe funktionieren hin und wieder viele Seiten nicht. Naja. Also, wo waren wir stehengeblieben? Ich fang mal bei letztem Wochenende an. Da war Stepanka aus Moskau mit einer Freundin zu Besuch. Wir waren mit den Kindern von Goli’s Zirkus in Peterhof, das ist ein Palast mit Park, den sich Peter der Grosse direkt am Meer hat hinstellen lassen, mit Blick auf Finnland. Das Besondere sind die vielen grossen Brunnen. Ich find’s viel schöner als Versailles. Es war auch super, neben dem Park am Strand rumzugammeln und Feuer zu machen. Traumhafte Natur. Wir hatten Stuss und sind an dem Tag hingekommen, an dem die grosse “Fontana” winterfest gemacht wurde. Da gab’s zum Abschluss nochmal ein Spektakel mit Feuerwerk, klassischer Musik, viel Wasser und Tausenden von Leuten. Mehr könnt Ihr bei Goli unter www.golila.blogspot.com nachlesen, im Bericht vom 21. September, Teil 2.
Peterhof
Letzte Woche hab ich hauptsächlich damit verbracht, den “remont” meines Zimmers weiterzubringen. Die Hauptarbeit ist vorbei, ich hab jetzt eine schöne neue Tapete. Mal wieder gelb, das scheint zum Hiemeyerschen Markenzeichen zu warden :-). Ich bin jetzt wohl mindestens für dieses Semester allein im Zimmer, das ist ganz angenehm. Ich hab ja erst überlegt, ins Ausländerwohnheim zu gehen. Ich war neulich da zu Besuch, da ist der Standart zwar etwas höher, aber die Leute beneiden mich alle, dass ich den ganzen Tag Russisch spreche. Ausserdem sind da die Kontrollen strenger, Besucher müssen ein Dokument abgeben und um elf abends raus. Wegen der Sicherheit. Das wird bei mir zum Glück nicht so streng gehandhabt, ich hab die Goli bis jetzt immer an den Wachhunden am Eingang vorbei schmuggeln können. Die Kälte hält sich noch in Grenzen. Irgendwann legt irgendjemand in der Stadt einen Schalter um, und dann gehen in ganz Petersburg die Heizungen an. Aber das dauert wohl noch ein paar Wochen.
Das Wochenende hab ich mal wieder sehr angenehm mit Goli und ihrer Mitbewohnerin Sandra verbracht. Sonntag nachmittag sind wir über die Inseln geschlendert. Sehr schön, Sonne, und die Blätter werden langsam bunt.
Abends waren wir in der Peter-Paul-Festung, zum Drama-Festival. Die “divina comedia”, frei interpretiert. Der Hammer. Die Bühne war eine Drehscheibe mit den Zuschauertribünen ringsum, unterbrochen durch vier Bühneneingänge, aus denen wechselweise Schauspieler, Sturm, und irgendwelche Stoffmonster kamen. Ich weiss nicht, ob ich die Handlung besser verstanden hätte, wenn ich mal den Dante gelesen hätte. Text gab’s keinen, so dass die Sprache nicht das Problem war. Die Schauspieler waren unglaublich gut, die Technik sensationell. Wirre Szenen um irgendwelche Dämonen und einen Harlekin. Viel Tanz. Pantomime. Nachdem sich die Schauspieler verbeugt hatten (der Applaus war etwas spärlich weil keiner wusste, ob es wirklich aus war) verblieben auf der sich drehenden Bühne: ein Stundenglas, ein Gerippe mit Harlekinmütze und ein Schaukelpferd. Dazu “The Show must go on”. Fantastisch. Nach dem Spektakel wurden wir von einem Flötenspieler zur Neva gelockt. 50 Meter vor dem Ufer standen fünf ganz in weiss gekleidete Tänzer auf unsichtbaren Floßen, in grelles Licht getaucht und sich langsam zu Trommelmusik bewegend. Da merkt man halt, dass die Stadt doch was zu bieten hat.

Dienstag, September 14, 2004

mobilnik

Gestern sind meine Ideale in die Knie gegangen. Ich hab mir ein mobilnik gekauft. Ab jetzt bin ich erreichbar unter 007-921-3267888. Mit Artjom und Sascha hier aus dem Wohnheim, die mir beim Kauf beigestanden sind, hab ich das abends natürlich gleich begossen. Mein erster Kontakt mit dem Wodka verlief recht harmlos, da er äußerst mild war. Als die Flasche halb leer war, kam das letzte Glas, "paslednij", weil ja Uni ist. Nach dem fünften letzten Glas kam dann der "passaschok", was in meinem Langenscheidt mit "Abschiedsschluck" übersetzt wird. Den konnte ich natürlich nicht auslassen. Nach dem fünften passaschok kam dann der "paslednij passaschok", und die Flasche war leer. Zum Wodka wurde extrem leckeres in öl eingelegtes Gemüse aus Mamas Garten gereicht.
Heute war traumhaftes Wetter, und ich hatte bis drei frei. Mittags bin ich gemütlich an die Uni geschlendert. Mein Weg geht vom Wohnheim erstmal in den Park der Uni. Nach zehn Minuten im Wald komme ich direkt an der Mensa raus. Dort hab ich mir erst mal einen Teller Borschtsch mit Pirogge, einen Krautsalat und ein Kalbsschnitzel mit Bratkartoffeln genehmigt. Von der Kassiererin mit einem freundlichen "na storovje" quittiert. Dazu eine kurze Einlage zu diesem Gruß, der ja in Deutschland gern als russischer Trinkspruch benutzt wird: Er heißt wörtlich "zum Wohlsein", wird aber eigentlich bloß beim Essen verwendet. Beim trinken heißt es "za storovje", wobei das z ein stimmhaftes s ist. Genauso kann man mit "za rodinu" auf die Heimat, mit "za druschba" auf die Freundschaft, oder mit "za mir" auf den Weltfrieden trinken.
Nach der Mensa habe ich noch eine kleine Tour durch den Campus gemacht. Die Lage im Park ist traumhaft, vor allem wenn die Sonne scheint und wie heute T-Shirt-Wetter ist. Viele Gebäude sind gut hundert Jahre alt, haben früher irgendeinem Grafen oder so gehört. Teilweise sind sie etwas heruntergekommen, aber es wird fleißig renoviert. Ein wunderschöner Wasserturm, sicher fünfzig Meter hoch, ist gerade in ein sehr gewagtes, nur aus Holz bestehendes Gerüst eingekleidet. Wenn das wieder runter kommt, was man da nicht alles draus bauen könnte ... ;-)

Sonntag, September 12, 2004

Umzug nach Pawlowsk?

ß ö ä ü Ä Ü Ö. Umlauttest. Also los. Das erste Wochenende in Russland ist vorbei. Super. Aber alles der Reihe nach. In meinem Wohnheim bin ich inzwischen bekannt, sind ein paar wirklich nette Leute da. Letzten Donnerstag waren wir auf der Straße ein Bier trinken, Nevskoe Pivo, durchaus sehr agreabel. Am Freitag haben wir Fußball gespielt. Inzwischen dauert es eine halbe Stunde, bis ich bei meinem Zimmer im fünften Stock bin, dauernd wird irgendwo abgechuckt, gelabert oder Bier angeboten. Das ist sehr gut für mein Russisch, und viele von den Russen wollen Ihr Englisch oder Deutsch trainieren. Bis jetzt bin ich immer noch allein in meinem Zimmer, irgendwann soll mein Mitbewohner kommen. Damit es einigermassen gemütlich ist, muss ich erst mal ein bisschen renovieren ... ein paar Mitbewohner werden morgen tapezieren, da häng ich mich vielleicht einfach dran. Jetzt steht immerhin schon eine Pflanze auf meinem Tisch, ansonsten ist es ziemlich kahl. Dass man nur mit Ausweis ins Wohnheim und normalerweise keine Gäste empfangen kann, und der Eingang von 1 bis 6 nachts zu ist, daran muss ich mich wohl erst noch gewöhnen. Die Duschen funktionieren jeden Tag bis auf Dienstag und Freitag. Die Studenten hier finden das Wohnheim auch nicht toll, aber sie richten sich ein so gut es geht.
Mein Studium nimmt auch erste Züge an. Am Donnerstag hab ich mich in der Uni mit einem Professor namens Alexander Fjodorwitsch getroffen, der mir hilft ein bisschen Struktur hier in mein Studium zu bringen. Er ist sehr nett, spricht gut Englisch, und will mich bekehren, unbedingt die „Unified Modeling Language“ (UML) zu lernen, weil das anscheinend die Programmiersprache der nächsten zehn Jahre ist. Aha. Er hat mich dann mit in seine Vorlesungen genommen, zuerst irgendwas über Graphen, ich hab kein Wort verstanden. Aber die Atmosphäre war sehr gemütlich, da sind immer bloss zwölf Leute in einem Kurs, und der Dozent plaudert sehr entspannt mit seinem Publikum. Dann war ich in seinem Kurs über künstliche Intelligenz, da hab ich wenigstens den PowerPoint-Vortrag entziffern können. Auch hier wieder alles total locker. In der zweiten Hälfte des Semesters wird dieser Kurs ein Seminar, da kann ich dann meinen Vortrag auf Englisch halten. Sehr gut. Der Lehrstuhl für angewandte Mathe, an dem ich studiere, ist anscheinend recht gut, die Räume sind schön und es gibt Computer und Beamer.
Einen richtigen Tagesablauf hab ich noch nicht, ich hab schon mal die Wohnheimküche ausprobiert, passt. Einkaufen ist billig. Auf der Strasse fahren Autos mit so poetischen Namen wie „Lada Sputnik“ rum. Ich hab meinen Schuh zum Schuster gebracht, der ihn mit Hilfe einer wunderschönen handgetriebenen Nähmaschine repariert hat.
Freitag abend bin ich mit der Metro zu Goli gefahren, die auf diesem Weg die herzlichsten Grüße ausrichten lässt. Sie wohnt in einer sehr schönen WG auf der Petrogradskaja, mit der U-Bahn eine halbe Stunde weg. Ich bin mir ein bisschen vorgekommen, als käme ich aus der dritten Welt nach Europa. Am Samstag haben wir schön touristisch eine Bootstour auf den Kanälen und der Neva unternommen, zusammen mit Sandra, die wie Goli ein Praktikum beim Uppsala-Zirkus macht. Heute alswie Sonntag waren wir in Pawlowsk. Das ist eine der grossen Zarenresidenzen rund um Petersburg (die anderen bekannten sind Peterhof, Puschkin und Oranienbaum). Pawlowsk ist ein riesiges Parkareal, das Katharina die Grosse ihrem Sohn Paul zur Geburt seines Erben geschenkt hat. Viel Wald, ein schöner Palast, und ein paar Pavillons und griechische Statuen. Im Palast mussten wir Präservative über die Schuhe ziehen, um die tollen Fussböden zu schonen. Es ist alles unglaublich schön hergerichtet. Ich muss mich mal in meinem Wohnheim umhören, vielleicht hat jemand Lust, eine kleine Revolution anzuzetteln und nach Pawlowsk umzuziehen?

Mittwoch, September 08, 2004

Regentag

Heute bin ich registriert worden, das klappt zum Glück alles reibungslos. Meinen Pass krieg ich Ende September wieder, mit neuem Visum, mit dem ich dann so oft ein- und ausreisen kann wie ich will. Das Wohnheim ist leider immer noch sehr abenteuerlich, wenigstens haben die Duschen heißes Wasser. Und im "Institute for International Education" hab ich eine recht gute Mensa entdeckt. Außerdem war ich heute in einem Baumarkt, weil ich wahrscheinlich mein Zimmer erstmal ein bisschen renovieren werde (auf Russisch "remont"). Da gab's lauter Sachen "iz germanii", ich hab mir gleich einen Wasserkocher der Marke Braun geleistet. Jetzt kann ich in allen Notlagen erst mal abwarten und Tee trinken.

Dienstag, September 07, 2004

Russland!

Am Sonntag Nachmittag stachen wir bei sonnigem Wetter und gutem Wind mit der GTS Finnjet in Rostock in die Ostsee. Schönes Schiff, rundum Unterhaltung und ein Ausblick auf die deutsche Alterspyramide in 20 Jahren. Heute früh sind wir in Sankt Petersburg gelandet, empfangen vom Hafenorchester, die uns einen flotten Marsch aufgespielt haben. Respekt. Die Goli wurde von ihren Zirkusleuten abgeholt, und ich von Denis vom Lehrstuhl für angewandte Mathe. Wir sind erst mal in eine "marschroutka" eingestiegen, so was ähnliches wie ein Großraumtaxi, das feste Routen abfährt, für 12 Leute gebaut ist und bei 20 erst anfängt, gemütlich zu werden. Dazwischen Denis, ich und mein roter Seesack. Dann die erste gute Nachricht: ich wusste, dass die U-Bahnlinie, die zu meiner Uni rausgeht, für die letzten drei Jahre geschlossen war, weil das Stickstoffkühlsystem zusammengebrochen und deswegen Sumpfwasser eingedrungen war. Aber Sensation, vor einem Monat wurde der neue Tunnel eröffnet. Das wird meine Wege in die Stadt sehr vereinfachen.
Dann hab ich mein Wohnheimzimmer bekommen, das eher nicht so glänzend ist. Ich bin jetzt erstmal in einem Wohnheim an der Uni mit lauter Russen einquartiert, was für die Sprache natürlich gut ist. Die Standards sind allerdings sehr niedrig, Jochen, deine Klos in Grenoble waren 5-Sterne-Suiten gegen die hiesigen ;-) Allerdings wurde ich sehr nett empfangen von der Wohnheimmama Oktjabrina Iwanowa und der Meisterin der Bettbezüge namens Nadja. Ich hab meine Mitbewohner noch nicht kennengelernt, ich muss mal schauen wie sich das alles entwickelt. Anscheinend kann ich ab Oktober in das internationale Studentenwohnheim ziehen, wenn ich will.
Nach dem Wohnheim sind wir erstmal in den Süden der Stadt zu einer Poliklinik gefahren , weil ich noch einen russischen AIDS-Test brauchte. Das Krankenhaus hat mich positiv überrascht, denen habe ich mich gerne anvertraut.
Danach sind wir auf den Nevski Prospekt, ich hab einen ersten Blick auf den Winterpalast geworfen. Sehr leiwand, grün und mit Springbrunnen drin. Anschließend haben wir die Uni inspiziert und einen Herrn Schaplygin vom Auslandsamt getroffen. Eine schlechte Nachricht: die im Internet groß angeboteten Kurse auf Englisch finden nur statt O-Ton "wenn irgendjemand sie bezahlt". Also gar nicht. Naja. Dann ist Denis heimgegangen, ich war ziemlich geschlaucht, weil wir eigentlich nur russisch geredet haben. Immerhin, etwa ein Zehntel von dem was er gesagt hat, hab ich verstanden :-) Aber er ist sehr nett, und in zwei Wochen schaut das mit der Sprache schon besser aus.
Vorhin hab ich noch auf eigene Faust die Umgebung der Uni inspiziert, hat mir gut gefallen. Ein Platz mit lauter kleinen Läden, produkty genannt. Und gerade sitze ich in einem Internetcafe, direkt in meinem Wohnheimgebäude, und 10 Stunden für fünf Euro. Schnäppchen und sehr gemütlich. Jetzt werd ich ab ins Bett düsen, morgen werde ich registriert, und eventuell fangen auch schon meine Russischkurse an, acht Stunden die Woche. Passt. Ein sonniger erster Tag in Petersburg geht zu Ende, und mein Tank für Abenteuerlust ist noch randvoll.
Der Goli geht's übrigens auch gut, Ihr weblog gibt's unter www. golila.blogspot.com
Also, Grüße an alle rund um die Welt,
Euer Peter

Mittwoch, September 01, 2004

Regensburg Ade ...

Heute bin ich den letzten Tag in Regensburg und werde von einem wunderbaren Spätsommerwetter verabschiedet. Jetzt geht's erstmal nach Simbach zum packen. Am Sonntag nachmittag stechen wir in Rostock in See, und kommen Dienstag früh an die Gestade der Newa. Paläste, die sich im Wasser spiegeln, goldene Kuppeln, die in der Sonne glänzen, und wir zwei mittendrin.

Als Hommage an meine WG ist dieses Foto gedacht: Ein Hoch auf die Gemütlichkeit!
Bett

Sonntag, August 22, 2004

Bonjour

Liebes Tagebuch! Heute eröffne ich Deinen Internet-Ableger, damit alle Leute nachlesen können, wie es mir im fernen Russland ergeht. Für alle, die wissen wollen, wie meine Uni aussieht, empfehle ich http://www.spbstu.ru. Für alle anderen empfehle ich einen lecker Edelstoff. Deutschland hat heute schon zwei Goldmedallien gewonnen. So, jetzt steht alles drin, was in ein so ein weblog hineingehört. Am Sonntag den 5. stechen die Goli und ich in Rostock in See. Na gut, äh, tschüss - und schlaft recht nett!